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Wahlkampf ohne Glanz


Iran

Wahlkampf ohne Glanz

Irans erste Parlamentswahl seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl 2009 hat wenig öffentliches Interesse geweckt. Der Wahlkampf war glanzlos – der Urnengang wird zwischen den Anhängern des geistlichen Führers Ayatollah Ali Chamenei und den Unterstützern von Präsident Mahmud Ahmadinejad ausgetragen. Die Opposition, deren Chefs unter Hausarrest stehen, riefen zum Boykott auf. 35 Prozent der Kandidaten wurden nicht zur Wahl zugelassen. Weit mehr als die Hälfte der 3400 Kandidaten sind Konservative.

Es wird eine niedrige Wahlbeteiligung erwartet, denn viele haben ganz andere Probleme. Ein Iraner erzählt: “Ich denke, die derzeitige, wirtschaftliche Situation ist Teil der Alltags der Menschen geworden. Die Wahlen haben ihre Farbe verloren, weil die Preise immer weiter steigen, besonders seit zwei Monaten. Die Wahlen werden nicht so aufsehenerregend, wie die vorhergehenden.”

Die wirtschaftliche Lage hat sich in den vergangenen anderthalb Jahren enorm verschlechtert. Offiziell liegt die Inflation bei 21 Prozent, aber in Wirklichkeit beträgt sie 50 Prozent. Zehntausende Menschen haben ihre Arbeit verloren. Eine Konsequenz aus den Sanktionen gegen den Ölmarkt und die Finanzinstitutionen des Landes. Der Wegfall von Subventionen der Grundnahrungsmittel und des Treibstoffes haben für Unmut in der Bevölkerung gesorgt. Ein Iraner unterstreicht: “Ich habe nie gewählt. Ich glaube nicht, dass die Stimme von Leuten wie mir einen Einfluss auf die Wahlen haben wird. Ich habe niemanden, der mich repräsentieren würde, für den ich gern stimmen würde. Keiner spricht im Parlament im Sinne meiner Interessen.”

Seit vergangenem Dezember hat der Rial gegenüber dem Dollar die Hälfte seines Wert verloren – trotz aller Bemühungen der iranischen Zentralbank die Währung zu stützen. Die Iraner haben Angst um ihre Ersparnisse, während die Regierung die Auswirkungen der internationalen Sanktionen herunterspielt.
Einige sehen gerade darin den Grund, ihre Stimme abzugeben. Ein Anderer berichtet: “Unsere individuelle Stimme zählt, sie hat einen wichtigen Einfluss. Meiner Meinung nach ist es der richtige Zeitpunkt präsent zu sein. Ich werde hundertprozentig meine Stimme abgeben.

Unterdessen werfen Menschenrechtsorganisationen der Regierung vor, eine Einschüchterungskampagne zu führen. Auf diese Weise sollten Proteste wie nach der Präsidentenwahl 2009 verhindert werden.
Die Regierung lässt stattdessen auf Postern verkünden: “Die Wahl gibt die Existenz und das Bewusstsein der Nation wieder.”

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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