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Zentrist Francois Bayrou - Kandidat zur französischen Präsidentenwahl

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Zentrist Francois Bayrou - Kandidat zur französischen Präsidentenwahl

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Am 22. April und 6. Mai wird der französische Präsident gewählt. Wer wird nach der Stichwahl in den Elysee-Palast einziehen? Nicolas Sarkozy will wiedergewählt werden. Sein Konkurrent François Bayrou ist nicht weniger zäh. Er steht für die Zentrumspartei. Ein warmherziger Mann, der sich seinen Mut in der Politik bewahrt hat. Obwohl ihn Weggefährten im Stich gelassen haben und zu Sarkozy übergelaufen sind, vertritt er hartnäckig seine Linie auf dem engen Weg, der ihm zwischen Sarkozy und Hollande bleibt. Was ist er? Ein Königsmacher? Pierre Assemat hat ihn im Wahlkampf begleitet.

Kurze Begrüßung auf dem Bauernhof.
Man spricht sich mit Vornamen an.
Der Kandidat findet sich schnell zurecht, er kommt auch aus einer Bauernfamilie. Der Chef der Partei mit Namen MoDem, zu deutsch: “Demokratische Bewegung”, zieht in seinen dritten Präsidentschaftswahlkampf. An diesem Tag trifft er im Departement Haute-Vienne im Westen Frankreichs Landwirte. Auf die Journalisten-Frage, warum er gerade diesen Ort für seinen Wahlkampf ausgewählt hat, sagt Bayrou: “Um mit Sachkenntnis über dieses Metier sprechen zu können, über die wirtschaftlichen Zwänge, über Gen-Pflanzen, über alles, was heute zur Landwirtschaft gehört. Um zuzuhören und den Leuten hier die Gewissheit zu geben, dass sie in Zukunft gehört werden, verstanden und gehört”.

Dem Bauernsohn muss man hier nicht viel erklären. Er packt selber noch gelegentlich auf dem Hof der Familie mit an, ohne das allzu laut politisch zu vermarkten. Die Landwirte sind in Frankreich nach wie vor eine wichtige, von allen Politikern umworbene Wählerschicht. Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 war Bayrou der “dritte Mann”, der es eben nicht in die Stichwahl schaffte. Seine Partei ist gewissenmaßen aus der Asche von Gircard d´Estings zentristischer Partei wieder auferstanden und zu einer Oppositionspartei gegen Nicolas Sarkozy´s Konservative geworden. Man kann sagen, Bayrou hat Kurs gehalten in den letzen 5 Jahren. Wie die Vorgängerpartei als gelegentlicher Mehrheitsbeschaffer für die größere Partei im rechten Lager herzuhalten, das kam für ihn nie in Frage. Er will keine simplen rechts-links-Debatten in der Politik. Sein Hauptthema heisst: “produire en France”, was man mit die “De-Industrialisierung Frankreichs rückgängig machen” übersetzen könnte.
Seine ursprüngliche Zentristenpartei ist auseinandergefallen. Er aber blieb über 10 Jahre hin unbeirrbar seinem Kurs treu – einschließlich der Absicht Präsident zu werden.
In Frankreich nimmt der Kandidat den TGV.
Das ist mehr noch als Bekenntnis zur Umwelt eines zur französischen Wirtschaft, die Europas erste Super-Schnellzug-Verbindungen geschaffen hat.
Man hört auch Stimmen, die ihm die Stichwahl – und dort sogar den Sieg zutrauen. Egal ob gegen den Konservativen Sarkozy oder gegen den Sozialisten Hollande. Aber soweit ist es noch lange nicht.
Als der euronews-Reporter vor dem Interview im Zug um eine kurz Ansprechprobe bitte, rezitiert Francois Bayrou, von Beruf Lehrer, ein Gedicht.
“Le long du coteau courbe et des nobles vallées
Les châteaux sont semés comme des reposoirs,
Et dans la majesté des matins et des soirs
La Loire et ses vassaux s’en vont par ces allées.”

Pierre Assémat, euronews :
Ein Gedicht als Stimmprobe? Kommt da immer noch der Lehrer durch?

François Bayrou,
Das ist die Freunde an allem Schönen, nicht Lehrermanier. Ich versuche immer zu erklären. Denn ich finde, dass bürger-rechtliche Bildung gebraucht wird. Ich meine, wenn die Bürger verstehen, auch ganz konkret das, was Fachleute sagen, dann ist die Lage im Land besser. Das tut sonst keiner, aber für mich ist das wesentlich. Aber ich belehre niemanden.

Pierre Assémat, euronews :
Sie beklagen eine übermäßige Konzentration auf die Kandidaten der beiden großen Parteien.

François Bayrou,
Wie sie sehen, dreht sich im Moment wirklich alles um Sarkozy und Hollande. Man hat den Eindruck, es gäbe sonst niemanden mehr. Egal welche Sendung sie einschalten, immer hören sie ´Nicolas Sarkozy hat das gesagt und Francois Hollande hat das geantwortet.´ Oder umgekehrt. Das ist eben ein Moment im Wahlkampf. Bis sie begreifen, dass die Leute davon genug haben und den Versuch zurückweisen, Wahlkampf für die zweite Runde zu machen ehe die erste gelaufen ist.

Pierre Assémat, euronews : Wie lautet ihre Botschaft an die Franzosen?

François Bayrou,
“ Bei der Präsidentenwahl geht es weniger um die Botschaft als um die Person, die dahintersteht.
Es ist eine Wahl, bei der es um die Frage geht, kann ich dieser Person vertrauen???”

Pierre Assémat, euronews :
Wie sehen sie sich selber?

François Bayrou
“Ich stamme aus einer Familie im unteren Bereich der französischen Gesellschaft, aus einer Familie von Bauern und Arbeitern. Ich habe dank Schule und Demokratie meinen Weg gemacht. Ich führe Kämpfe und gebe niemals auf. Ich bin einer, der sich engagiert. Und ich fühle mich berufen, aufzubauen und dabei möglichst viele Franzosen mitzunehmen.”

Pierre Assémat, euronews :
In ihrem Buch verweisen sie auf das Problem
Staatsverschuldung.

François Bayrou,
“Man kann das Problem in 2 oder 3 Jahren lösen.
Dafür muss man aber 2, 3 Jahre sehr korrekt wirtschaften. Wie in einer überschuldeten Familie.
Das verlangt aber nach dem Wiederaufbau der Industrieproduktion, die verloren gegangen ist.
Wir müssen wieder ein Land werden, das produziert, um Märkte erobern und verkaufen zu können. Das ist nicht einfach, wenn man erst einmal ganze Industriebereiche hat sausen lassen.”