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Vorentscheidung am "Super Tuesday" ?

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Vorentscheidung am "Super Tuesday" ?

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Super Tuesday ist gelaufen – und alle vier Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner sind noch im Rennen. Anders als vor früheren Wahlen ist am Tag mit den meisten Vorwahlen keinem der Durchbruch gelungen. Spitzenreiter Mitt Romney konnte zwar in 6 der 10 Vorwahlen punkten.

Im besonders wichtigen Bundesstaat Ohio fiel sein Sieg aber denkbar knapp aus.
38 % der Stimmen bekam Romney in Ohio – 37 % gingen an seinen ärgsten Rivalen Rick Santorum. Wieder zeigte sich – Romneys Wirtschaftskompetenz wird zwar anerkannt, reicht aber nicht, um die tief Konservativen zu überzeugen. Die folgen auch weiterhin eher dem ultrakonservative Rick Santorum, der in drei Bundesstaaten gewann. Weiterhin spielen “konservative Werte” eine überragende Rolle, das heisst Religion kommt vor Sachfragen.

Ex-Parlamentspräsident Newt Gingrich gewann in Georgia. Dieser Sieg in seinem Heimatstaat gibt ihm Rückenwind für die Anstimmungen am Samstag in Kansas, Alabama und Mississippi.

Wenn Ende August in Tampa/ Florida die Delegierten der Republikanischen Partei zum Norminierungsparteitag zusammenkommen, braucht 1144 Stimmen, wer Barack Obama herausfordern will. Wenn sich die vier Bewerber allerdings weiterhin so erbarmungslos gegenseitig bekämpfen, bleibt an jedem von ihnen etwas Negatives kleben. Davon kann dann nur Präsident Obama profitieren, der seine Wiederwahl anstrebt.

Diesen “Super Tuesday” analysiert Jeffrey Frieden, Politikwissenschaftler an der Harvard-University.

euronews
Jeffry Frieden, gut, dass Sie wieder bei uns sind. Wie interpretieren Sie die Super Tuesday- Ergebnisse?

Jeffry Frieden
Die wichtigste Nachricht kommt für mich aus Ohio. In den meisten anderen Staaten lief es wie erwartet. Gingrich war in Georgia vorn erwartet worden. Und Romney hat man natürlich als Sieger in Massachussetts erwartet und nebenbei auh in Vermont. Ohio war dabei der wichtigste Staat.

Die gute Nachricht für Romney ist, er hat Ohio gewonnen. Die schlechte Nachricht für ihn lautet: es war ganz knapp. So knapp, das mit Santorum weiter gerechnet werden muss. So liegen die Bewerber in dieser Vorwahl-Saison sehr dicht beieinander. Wichtig dabei ist, dass Romney seine Spitzenposition behauptet hat und der Favorit bleibt. Aber die Ergebnisse sehen auch für Santorum und Gingrich noch gut genug aus, so dass beide weiter im Rennen bleiben. Das Rennen geht weiter.

euronews
Einige Vorwahlen liefen wie erwartet, dieses eine aber wurde spannend. Welche Variante sagt mehr über den Zustand der Republikaner?

Jeffry Frieden
Diese ganze Vorwahl-Saison hat uns zu einigen Erkenntnissen über die Republikaner verholfen. Über diese Leute, die als Aktivisten die eigentliche Arbeit für die Partei machen, über die ganze Anhängerschaft. Wir haben dabei gesehen, wie gespalten die Republikanische Partei ist. Einerseits gibt es diese große Gruppe der extrem konservativen Aktivisten – egal, ob sie zur Tea-Party-Bewegung gehören oder nicht. Es sind Leute vom rechten Flügel der Partei, die einfach nicht glücklich sind mit den Kandidaten, die moderate Positionen vertreten. Solche wie Mitt Romney. Einerseits ist das eine Partei mit einem sehr starken extrem-rechten Flügel, stärker als je zuvor. Andererseits haben wir da eine Partei, deren Führung ebenso wie viele Mitglieder vor allem im November die Wahlen gewinnen will. Und die begreift, dass ein zu weit rechts stehender Kandidat bei unanhängigen Wählern keine Chance hat. An den wichtigen Wechselwählern in den entscheidenden Bundesstaaten wird sich der Wahlausgang entscheiden. Diese Republikanische Partei steckt in einem ernsten Dilemma und ist außerordentlich zerrissen.

euronews:
Wo werden wir die nächsten Überraschungen erleben?

Jeffrey Frieden:
Die nächsten großen Vorwahlen stehen im Süden an, in Mississippi und Alabama. Ich denke, die Überraschung könnte darin bestehen, dass Gingrich in diesen Bundesstaaten gewinnt. Gingrich stellt sich selber ja immer als besonders populär im Süden dar. Und dabei könnte für ihn Santorum zum großen Konkurrenten werden, weil der die stark konservativen Wähler im Süden anspricht. Viele Beobachter sagen für Santorum ein sehr gutes Abschneiden in den Südstaaten voraus. Wenn Gingrich aber in diesen Staaten gewinnt – und er wird dort gewinnen – dann kann er Santorum überholen. Ich sehe, dass Gingrich wieder mit im Rennen ist. Dass Gingrich in Georgia gewinnt, war nie eine Frage. Der Sieg in seinem Heimatstaat war völlig klar. Wenn er dort verloren hätten, dann wäre er raus aus dem Rennen. Aber er bleibt eine Randfigur unter den Kandidaten. Wenn er in den Südstaaten starke Ergebnisse zeigt, dann haben wir ein Rennen mit drei Kandidaten. Ich sehe, dass Gingrich durch die Wahlen in den Südstaaten wieder zum Mitbewerber werden kann.

euronews:
Warten wir also ab, was die Südstaaten bringen. Vielen Dank an Jeffrey Frieden
Frieden: Good talking to you, Adrian.