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Abchasien - Zankapfel am Schwarzen Meer

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Abchasien - Zankapfel am Schwarzen Meer

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Amtseinführung von Präsident Alexander Ankwab in Suchumi am 26. September 2011. Diese Wahl in Abchasien am Schwarzen Meer gilt als wesentlich übersichtlicher als jene beim großen Bruder Russland. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion hatte das bisherige Autonome Gebiet in der Sowjetrepublik Georgien seine staatliche Unabhängigkeit verkündet. Das war im September 1992. Abchasien ist etwa halb so groß wie das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein, hat rund 200.000 Einwohner und eine 220 km lange Küste, die einst als “Coté d´Azur” der Sowjetunion galt.

Auf die Unabhängigkeitserklärung folgten georgische Panzer. Abchasien bekam Unterstützung von Russland. Die Georgier wurden zurückgeschlagen, es folgten Flucht und Vertreibung. In der Folge änderte sich die Zusammensetzung der Bevölkerung radikal. Wurden 1989 noch 45 % Georgier gezählt, so waren es nach dem ersten Krieg 1993 nur noch gut 20 . Der Anteil der ethnischen Abchasen stieg von unter 20 % 1989 auf fast 44.

Seit 1921 Sowjetrepublik auf gleichem Niveau wie Georgien, wurde Abchasien 1931 als “Autonomes Gebiet” der Georgischen Sowjetrepublik, der Heimat Stalins, einverleibt.
Dass Russland die Abspaltungsbestrebungen von Abchasien und Süd-Ossetien so massiv unterstützt, kann man als Gegenmittel gegen die West-Orientierung Georgiens ansehen. Moskau zahlt 60 % des Staatshaushaltes von Abchasien.
Zwischen Georgien und Abchasien gibt es nur einen Waffenstillstandvertrag, dessen Einhaltung eine aus russischen Einheiten bestehende Friedenstruppe überwachen soll. Im bisher letzten Krieg 2008 versuchte Georgien vergeblich, wollte.
Völkerrechtlich ist Abchasien immer noch Teil Georgiens. Seine Unabhängigkeitserklärung haben außer Russland, Nikaragua und Venezuela nur einige pazifische Inselstaaten anerkannt.

In der abchasischen Öffentlichkeit werden die Repressionen der Sowjetzeit heute eher mit Georgien als mit der sowjetischen Zentralmacht in Moskau in Verbindung gebracht. Das abchasische Parlament hat in Moskau schon mehrfach um assiziierte Beziehungen gebeten, um etwa das russische Zoll- und Währungssystem oder auch militärischen Schutz zu bekommen.