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Marine Le Pen geht ins Rennen um das höchste Amt in Frankreich

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Marine Le Pen geht ins Rennen um das höchste Amt in Frankreich

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Am 22. April und am 6. Mai wird der französische Präsident gewählt. Angesichts der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise muss Amtinshaber Nicolas Sarkozy um seine Wiederwahl bangen. Gefährlich kann ihm nicht nur sein sozialistischer Herausforderer François Hollande werden, sondern auch die neue Vorsitzende der Rechtsaußenpartei Front National (FN).

Im Gegensatz zu ihrem Vater vermeidet Marine Le Pen die offene Debatte um Themen wie Sicherheit und Einwanderung. Ihr Ziel ist es, der rechtsradikalen Partei ein moderneres Image zu geben. Was sie womöglich noch gefährlicher macht. Denn im Grunde verfolgt Marine Le Pen treu die Linie ihres Vaters: Sie steht für einen Austritt aus dem Euro und einen harten Kurs gegen Einwanderer. Ein Porträt von Philippe Mathieu

Marseille, zweitgrößte Stadt Frankreichs und eine Etappe der Großveranstaltungen von Marine Le Pen, der Kandidatin der Front National. 3000 Menschen sind gekommen, um die Vorsitzende der Rechtsaußenpartei bei ihrem ersten Präsidentschaftswahlkampf zu erleben.

Stimmen aus dem Volk:

“Seit 30 Jahren kämpft die Familie Le Pen für Frankreich. Sie stehen für die normalen Menschen ein, nicht für die reichen.”

“Ich bin 18 Jahre alt, Marine Le Pen symbolisiert für mich Frankreich und die Zukunft der jungen Leute.”

“Herausragend, kämpferisch, eigensinnig.”

“Es gibt keine andere Wahl, die einzige Wahl ist Marine Le Pen, die beiden anderen Kandidaten und alles was folgt unterscheiden sich nicht groß”.

“Diese Machtübergabe geschah ganz im Sinn der Mitglieder der Fraont National und es ist auch genau das, worauf das Volk, worauf die Franzosen, die die FN bisher nicht unterstützen, gewartet haben”.

Im Januar 2011 wurde Marine Le Pen Nachfolgerin ihres Vaters als Vorsitzende der Front National. Einer Partei, deren Vorsitz ihr Vater seit der Gründung vor 30 Jahren innehatte.

Der 21. April 2002 markiert einen der Höhepunkte der Partei, als dem rechtsextremen Jean-Marie Le Pen der Einzug in die Stichwahlen zur französischen Präsidentschaftswahl gegen den Kandidat der Linken, Jacques Chirac, gelang. Die Wahl gewann letztendlich Jacques Chirac mit 82 Prozent der Stimmen.

Mit diesem politischen Erdbeben begann der Aufstieg von Marine Le Pen in der Partei. Sie versprach ihren Anhängern die Präsidentschaft und eine Neuausrichtung, die die Front National wieder wählbar und “entdiabolisieren” sollte. “Für viele Menschen hat mein Vater eine ganze Reihe von Problemen, mit denen Frankreich heute kämpft, klar benannt”, sagt Marine Le Pen. “Und wir wollen weiter kämpfen. Wir wollen ein neues Kapitel der Front National aufschlagen, das uns an die Macht führen wird. Das ist es, was wir wollen. Wir werden um die Macht kämpfen, um unsere Ideen zu verwirklichen.”

Zurück zur Veranstaltung in Marseille. Der Saal füllt sich und auch der medienaffine Anwalt und Wahlkampagnenleiter von Le Pen, Gilbert Collard, ist eingetroffen. Er charakterisiert Marine Le Pen folgendermaßen: “Eine mutige Frau, die ihre Überzeugung mit ihrer ganzen Energie vertritt und – was heutzutage selten ist – nicht nur auf Stimmenfang aus ist.”

In Marseille dagegen, einer Gegend mit hoher Immigrationsdichte und traditionell eine der Hochburgen der FN, spricht Le Pen hauptsächlich über Sicherheits- und Einwanderungsfragen. Auszüge aus ihrer Rede:

“Wir zogen die Integration der Assimilation vor und als diese scheiterte, haben wir jegliche Forderung, die französische Kultur zu akzeptieren, aufgegeben. Heute gibt es mehr Ausländer als je zuvor und immer öfter zwingen sie den Franzosen ihre Lebensweise und ihre Traditionen auf. Jedes Jahr werden es mehr.”

“Wenn man sieht, wie ganze Vororte und sogar Stadtviertel von fremden Sitten beherrscht werden, dann kann man zu Recht besorgt sein.”

“Marseille wurde zum traurigen Symbol für das schreckliche Versagen eines zögerlichen Nicolas Sarkozy. Wann kommt endlich der Kärcher?”

Und auch wenn die Kandidatin behauptet, François Hollande und Nicolas Sarkozy seien aus dem gleichen Holz geschnitzt, bleibt ihr Hauptgegner doch der scheidende Präsident. Nach einer Dreiviertelstunde löst sie sich von ihrer Rede, um ihn direkt zu verspotten: “Nicolas Sarkozy wiederholt seine nicht gehaltenen Versprechen von 2007, ihm fällt nichts besseres ein..

“Heute Morgen war ich in einer TV-Sendung, meinen Sie nicht, ich sehe jünger aus? Das liegt daran, dass ich jeden Samstag eine Verjüngungskur von fünf Jahren genieße, wenn ich Nicolas Sarkozy höre, der die gleichen Versprechungen wie 2007 macht.”

Von internationalen oder europäischen Themen hörte man dagegen in Marseille überhaupt nichts. Der Ausstieg aus dem Euro war kein Thema für die Europa-Abgeordnete: “Wenn ich zur Präsidentin gewählt werde, werde ich einen Minister für Nationale Identität einsetzen, der die europäischen Verträge neuverhandelt. Ich werde das mit befreundeten Nationen tun, mit europäischen Nationen, die wie wir in Frankreich ein demokratisches, ein Europa der Völker bauen wollen.”

Jean-Marie Le Pen, der immer noch Ehrenpräsident der Front National ist, verfolgte die Rede seiner Tochter aus dem Publikum. Zum Schluss wurde er auf die Bühne gerufen, um die Marseillaise anzustimmen.