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Portrait Sarkozy

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Portrait Sarkozy

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Wer wird nach De Gaulle, Georges Pompidou oder François Mitterrand, nach der nächsten französischen Präsidentschaftswahl in den Elyséepalast einziehen?

Die Franzosen wählen am 22. April und 6. Mai: Nicholas Sarkozy setzt alles auf eine zweite Amtszeit.

Auch wenn sich der scheidende Präsident die letzten fünf Jahre mit teils äußerst unpopulären Reformen nicht nur beliebt gemacht hat,- so wirkt er doch omni-präsent: national, wie international.

Jetzt aber gerät er zusehends unter Druck: er scheint die Franzosen enttäuscht zu haben, der Rückhalt schwindet.
Sarozy aber, glaubt an sich selbst und seine Chance zu siegen. Hier sein Portrait,- von Sophie Desjardin.

Nicolas Sarkozy: “Das Leben hat mich gelehrt: wenn man glaubt, nichts mehr verlieren zu können, hat man schon fast verloren.” Das ist Sarkozy 2012: bescheiden und entzaubert aber bereit zu kämpfen.

Wir begleiten den Präsidentschaftskandidaten in zwei Departements, in denen die Arbeitslosigkeit
besonders hoch ist: Haute-Loire und Loire.

Wir sind in einem Dorf wo sich eine kleine Fabrik befindet, fast pleite war sie, “Sarko” hat sie gerettet,- heißt es. Ein Tross französischer Journalisten verfolgt jede Geste des Kandidaten. Im Ausland interessiert das kaum,- Miguel Mora Diaz, Korrespondent in Paris, El Pais:“Ich habe das Gefühl, dass ist nicht sehr interessant für uns ist, eher eine innerfranzösische Sache.”

Der Kandidat stellt sich nur der französischen Presse und diktiert ihr Teile seiner Kampagne in die Notizblöcke. Sarkozy:“Wenn ich mich engagiere, so wie ich es immer getan habe, dann ist es ein totales Engagement und kein halbherziges. So habe ich es mit der Poltik stets gehalten.”

Sarkozy gibt sich als der “Macher”: 82 Menschen haben hier früher Unterwäsche hergestellt, heute produzieren sie Ledertaschen. Der Präsident schreibt sich die Rettung ihrer kleinen Fabrik auf seine Fahnen.

Der junge Sarkozy, noch keine 20 Jahre alt, begann sich während seines Jurastudiums politisch zu engagieren. Erst Rechtsanwalt, später Bürgermeister – dann arbeitet er für Jacques Chirac, dessen enger Verbündeter er wird. 1995 aber sinkt sein Stern,- er hat aufs falsche Pferd gesetzt und muss dafür teuer bezahlen: Im Präsidentschaftswahlkampf kämpft er an Seiten
Edouard Balladurs. Doch DER verliert. Chirac obsiegt im zweiten Wahlgang und Sarkozy fällt in Ungnade,- für sieben lange Jahre.

2002 dann, kehrt er zurück auf die politische Bühne: Chirac wird wiedergewählt, Sarkozy zum Innenminister, Finanzminister, Präsident der UMP und erneut zum Innenminister. Er beginnt seinen politischen Stil zu entwickeln: 2005 bezeichnete er protestierende Jugendliche als „Abschaum“ den man einfach „wegkärchern” sollte – also wie mit einem Hochdruckreiniger wegspritzen.

Ein Stil, der Kritikern missfällt, seine Anhänger aber begeistert. Er wird immer populärer, dann 2007 explodiert der Zuspruch: für Nicolas Sarkozy erfüllt sich sein Lebenstraum. Er ist Präsident der Republik.

Ein Präsident ohne Komplexe. Er feiert seinen Sieg mit seinen reichen Freunden, macht Urlaub auf Luxus-Yachten, zeigt sich in Form. Schon bald tauft ihn die Presse “Präsident Bling-Bling”. Politisch auf dem Höhepunkt seiner Macht, bricht sein Privatleben zusammen: er wird geschieden, doch schon bald beginnt er eine neue Romanze mit dem Model Carla Bruni, er heiratet erneut. Die Franzosen verlieren in dieser Zeit den Kontakt zu ihrem Präsidenten, die ihn mögen, wie die ihn nicht mögen.

Hyperaktiv und allgegenwärtig ist er: in Politik und Medien. Provoziert er Kritik, ändert er einfach den Kurs. Doch seine Präsidentschaft steht am Ende ganz im Zeichen der Finanzkrise. Und DIE wird ihm zur Bürde, muss er doch unpopuläre Massnahmen durchsetzen. Kein guter Auftakt für eine zweite Amtszeit.

In Yssingeaux, nimmt er den Wahlkampf vor der Presse wieder auf. Zurück bleiben einige wenige, wie Lucien. Als Amateurfotograf berichtet er über
alles, was im Dorf passiert. Er hat schon viele Politiker getroffen, doch jetzt – hat er den Präsidenten gesehen. Lucien Gibert:
“Nun, es hat sich viel verändert. Es mag vielleicht etwas lächerlich erscheinen, sich einem hohen Politiker zu nähern,- bei Jacques Chirac zum Beispiel, einem wirklich großartigen Politiker, da war das möglich. Mit dem konnte man sich auch als normaler Mensch unterhalten.”

Auch die Arbeiter sind alles andere als überzeugt von diesem Besuch.

Frage: “Fanden Sie es gut, dass er hier war?”
Antwort einer Angestellten:“Nein…er war hier und gut”. Eine andere pflichtet bei: “Ja er kam jetzt im Wahlkampf aber hatte er die Arbeitslosigkeit vorher auch im Blick? Daran hätte ER früher schon denken können.”

Zweite Etappe des Tages. Ein Treffen mit den Bewohnern eines 750-Seelen-Dorfes, in einem Bistro. Große Politik auf kleiner Bühne: die Einwohner des Dorfes trauen kaum ihren Augen. Während er drinnen mit den Frauen des Ortes spricht, wartet draußen die Menge auf ihn. Doch der Kandidat muss schnellstens weiter,- hat für Fragen keine Zeit.

Wir treffen ihn abends wieder, in St Just – St Rambert an der Loire. Hier im Saal der Stadthalle wird er zu rund 1200 Anhängern und Parteimitgliedern der UMP sprechen. Er spricht über Mut in der Politik – darüber, dass er die längst fällige Rentenreform innitiert hat.

Sarkozy: “Es war vielleicht für viele nicht der optimale Zeitpunkt, für diese Reform,- es ist NIE der richtige Zeitpunkt. Für viele war sogar die Reform an sich falsch. Manche haben mir geraten: Mach es doch wie die anderen und kehr es unter den Teppich…es ist doch egal ob unsere Kinder dafür zahlen müssen. Ich will aber nicht, dass künftige Generationen dafür zahlen müssen, dass wir unserer Verantwortung nicht gerecht geworden sind.”

Verantwortung, Mut, Arbeit, – alles Themen die er angesprochen hat an diesem Abend,- nicht zu vergessen, die Stimmen, die er versucht hat, am rechten Rand einzufangen: Einwanderungsland Frankreich? Ja, aber nicht wie bisher.

Sarkozy:“Die ganze Welt aufzunehmen, wird nicht gelingen,- wir müssen die Realität begreifen:
Wenn ich wiedergewählt werde, werde ich die Zahl der Menschen die zu uns kommen halbieren. (…) Wenn Ihr wüsstet, meine lieben Freunde: wie sehr ich Euch brauche! Helft mir, ein starkes Frankreich zu konstruieren. Helft mir, die nächsten zwei Monate den Wahlkampf zu führen, unseren Ideen, Idealen und Werten zum Sieg zu verhelfen. Es lebe Frankreich! Es lebe die Republik!”

Nach einem langen Applaus, einige Wähler und Parteimitglieder:

“Er war großartig! Ich vertraue ihm!”

“Er ist jemand, der ansteckend wirkt, mit seinem Mut und seiner Verantwortung. Jemand, mit dem wir es schaffen können, mit dem wir erfolgreich sein können.”

“Außergewöhnlich, aufrichtig, ehrlich, mit sich selbst im Einklang.”

Und wenn er NICHT gewählt wird? Auf diese Frage antwortet ein anderer Wähler: “Ich hoffe dann macht er weiter Politik. Er sollte Parteivorsitzender bleiben.”

Noch ist es nicht sicher, ob Sarkozy in seinem Amt bestätigt wird, ob er Frankreich zum zweiten Mal maßgeblich wird prägen können.