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Frankreichs langer Abschied von "Mademoiselle"

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Frankreichs langer Abschied von "Mademoiselle"

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Im vergangenen Monat verabschiedete sich Frankreich von der Anrede “Mademoisell”, zumindest in der Amtssprache. Seither spielt es im Umgang mit den Behörden keine Rolle mehr, ob eine Frau verheiratet ist oder nicht. In Deutschland verschwand die offizielle Anrede Fräulein vor mehr als 40 Jahren.

Es wurde also Zeit, dass Frankreich nachzieht, so die Frauenrechtlerin Julie Muret: “Deutschland hat Fräulein abgeschafft. In den USA wurden Mrs und Miss zum neutralen Ms zusammengezogen. In Dänemark wurde auch mit der Konvention gebrochen. Die skandinavischen Länder sind in solchen Dingen ja oft fortschrittlicher. Und im Schriftverkehr in Großbritannien wird Miss auch nicht mehr so häufig benutzt. Frankreich war also ziemlich spät dran, aber jetzt haben wir einen Erfolg errungen.”

Die Pariserin Maiha Brunet will, dass die Anrede Mademoiselle total verschwindet, nicht nur aus der Amtssprache sondern auch aus dem alltäglichen Umgang. “Eine Mademoiselle ist nicht verheiratet, aber ein unverheirateter Mann wird trotzdem mit Monsieur angesprochen. Das hat sich nicht geändert. Natürlich stört mich das. Das ist nicht normal. Warum ändert sich für uns die Anrede, aber wir können nicht wissen, ob ein Mann verheiratet ist oder nicht.”

Einige Franzosen wollen die Tradition zumindest im Alltagsleben beibehalten, zum Beispiel Antoine Chareyn. “Ich glaube, viele junge Frauen finden es ganz gut, genau wie junge Männer so wie ich es mögen, wenn sie junger Mann genannt werden statt Monsieur. Das kann doch ganz schön sein, und deshalb glaube ich, dass die Tradition beibehalten wird trotz der behördlichen Reform.”

In der Tat finden auch einige Frauen, dass die Anrede Mademoiselle ihre Vorzüge hat. Das liegt am Klang des Wortes, findet Isabelle Sempere: “Madame ist sehr offiziell. Es klingt nach Behörden und Juristen, aber Mademoiselle ist charmanter, poetischer.”

Wer eine französische Frau anspricht, läuft also weiter Gefahr, unbeabsichtigt einen Fauxpas zu begehen.