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Joachim Gauck – 11. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland


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Joachim Gauck – 11. Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland

Mit Joachim Gauck werden die personifizierten Brüche in der deutschen Geschichte der letzten 70 Jahre ins Präsidentenpalais einziehen.

Geboren 1940, als Hitlers Armeen Europa verwüsteten. Aufgewachsen ist er im Nordosten Deutschlands an der Ostsee in einer Zeit, als die Deutschen dafür bezahlen mussten, was in ihrem Namen anderen Völkern angetan worden war. Familie Gauck traf es besonders hart. Den Vater, im Krieg Kapitän, schickte ein sowjetisches Sondergericht 1951 ins Straflager. Joachim Gauck und seine drei Geschwister wuchsen auf voller Hass auf die Kommunisten, die der Familie dieses Unrecht angetan hatten. Im Oktober 1955 kehrte der Vater heim. Das Familientrauma blieb.

Was soll einer studieren, der den Staat ablehnt, in dem er lebt? Joachim Gauck wählte Theologie. Der 19-Jährige wollte zunächst gar nicht Pastor werden, sondern vielmehr Argumente gegen den in der sozialistischen DDR verordneten Marxismus finden. 1967 trat er dann doch seine erste Pastorenstelle an in einem kleinen Dorf in Mecklenburg. Ab 1971 wirkte er in Rostock, der größten Stadt in der Region. In der atheistisch geprägten DDR wurden neue Wohngebiete meist ohne Kirchen gebaut. Joachim Gauck war einer jener jungen Pastoren, die dann dort trotzdem kirchliches Leben schufen. Anders als in Polen, wo die Kirche stets den kommunistischen Staat bekämpfte, machten in der Sowjetunion und in der DDR die Kirchenführer ihren Frieden mit den herrschenden Atheisten. Sie gingen Kompromisse ein, die der Kirche ein Wirken in einem eingeschränkten Rahmen erlaubten.

Joachim Gauck war über den Rahmen seiner Gemeinde hinaus in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche von Mecklenburg aktiv, arbeitete mit an der Veranstaltung von Kirchentagen. Pastor Gaucks Kritik am Staat ging wie bei vielen Kirchenleuten nur so weit, dass er zwar überwacht, aber nie verhaftet wurde. Seine erste offen gegen die DDR-Obrigkeit gerichtete Predigt, bei der er sich zur Opposition bekannte, hielt er erst am 19. Oktober 1989 – einen Tag, nachdem Partei- und Staatschef Erich Honecker entmachtet worden war. Echte Oppositionelle, die für ihren Widerstand auch das Gefängnis riskierten, werfen ihm heute vor, erst aus der Deckung gekommen zu sein, als die Gefahr vorbei war.

In den folgenden Wochen wurde aus dem Pastor ein politischer Aktivist. Sein Hauptthema wurde: Sicherung und Öffnung der Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi). Das war eine der Forderungen, die bei den Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 laut wurden. Eine andere Forderung war: Freie Wahlen. Die fanden im März 1990 statt, Gauck wurde Abgeordneter. Zusammen mit Aktivisten aus den Reihen der Bürgerrechtler schlug er ein Gesetz vor zur „Sicherung und Nutzung der MfS-Daten“. In ihrer letzten Arbeitssitzung am 28.9.1990 wählte ihn die Volkskammer zum „Sonderbeauftragten für die personenbezogenen Unterlagen des MfS“. Im vereinten Deutschland war Joachim Gauck für zehn Jahre „der Herr der Akten“.

Von seiner Ehefrau hat sich Joachim Gauck schon vor gut 20 Jahren getrennt. Seine Lebensgefährtin, eine Journalistin, mit der er seit zehn Jahren verbunden ist, wird nun Deutschlands First Lady.

Jede Geschichte kann aus vielen Perspektiven erzählt werden. euronews Journalisten berichten in ihren Sprachen, mit ihrer Sicht der Dinge.

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