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Europa sollte syrische Flüchtlinge stärker unterstützen

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Europa sollte syrische Flüchtlinge stärker unterstützen

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Vor einem Jahr erfasste der Arabische Frühling auch Syrien und seither wächst die Anzahl der Menschen, die in den benachbarten Ländern Zuflucht suchen. Türkische Hilfsorganisationen rechnen mit einem Massenansturm. “Keine Schule, keine Nahrung, kein Strom, kein Wasser”, beschreibt uns eine ältere Frau aus Syrien die Lage in ihrer Heimat. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind bisher rund 34 000 Menschen aus Syrien in die Nachbarländer geflüchtet. Etwa 230 000 Menschen wurden in Syrien selbst durch die Angriffe der regimetreuen Truppen vertrieben. Die Türkei, der Libanon und Jordanien öffneten ihre Grenzen für syrische Flüchtlinge. Die Türkei erwägt, an der Grenze zu Syrien eine Pufferzone einzurichten. Über die Lage dieser Menschen sprachen wir mit dem Flüchtlings-Hochkommissar der Vereinten Nationen, Antonio Guterres. Guterres forderte die internationale Gemeinschaft und insbesondere Europa dazu auf, Flüchtlinge insgesamt mehr zu unterstützen.

Euronews:
Herr Guterres, die Lage der syrischen Flüchtlinge verschlechtert sich immer mehr. Wie kann das Problem gelöst werden?

Antonio Guterres:
Wir sollten zuallererst die Großzügigkeit der benachbarten Länder erwähnen, der Gastländer Türkei, Libanon und Jordanien. Trotz der schwierigen Umstände haben sie die Grenzen offen gehalten und für den Schutz der Flüchtlinge gesorgt. Weil die Flüchtlingszahlen steigen, wird die Hilfe eine immer größere Herausforderung. Wir müssen unsere Bemühungen zur Unterstützung der Regierungen dieser Staaten erhöhen und wir müssen an die internationale Solidarität appellieren, damit die Flüchtlinge die Hilfe bekommen, die ihnen zusteht und damit ihre größten Nöte gestillt werden.

Euronews:
Die Türkei rechnet mit 500 000 Flüchtlingen. Wie kann die internationale Gemeinschaft die Türkei unterstützen?

Antonio Guterres:
Zur Zeit kommen täglich zwischen 500 und 1 000 Menschen über die Grenze. Von den vorhin erwähnten Zahlen sind wir somit weit entfernt, doch ich denke, dass internationale Solidarität sehr wichtig ist und dass die Staatengemeinschaft die Nachbarländer Jordanien, Libanon und die Türkei unterstützen sollte, damit sie im Notfall mit den Herausforderungen fertig werden können. Hoffen wir trotzdem, dass Lösungen in Syrien selbst gefunden werden können und dass es nicht zu einer Massenflucht kommt. Wir haben Syrien gegenüber eine Pflicht zu erfüllen, auch weil Syrien sich Flüchtlingen gegenüber immer als großzügig erwiesen hat. Syrien hat 500 000 palästinensische Flüchtlinge aufgenommen und zu einem gewissen Zeitpunkt mehr als eine Million Flüchtlinge aus dem Irak. Syrien hat diese Flüchtlinge außerordentlich gut behandelt, es ist somit an der Zeit, den syrischen Flüchtlingen gegenüber ebenfalls großzügig zu sein.

Euronews:
Amnesty International wirft der EU vor, bei der Hilfe für syrische Flüchtlinge versagt zu haben. Stimmen Sie dem zu?

Antonio Guterres:
Unglücklicherweise hat die EU nur weniger als 1.000 Flüchtlingen die Aufnahme angeboten. Wir hoffen auf mehr Unterstützung durch Kanada, Australien und die USA. Wir hoffen, dass diese Schwierigkeit überwunden werden kann. Wir hätten uns freilich mehr Aufnahme-Angebote von Europa gewünscht. Auch wäre eine größere Unterstützung der Staaten wichtig, die im demokratischen Wandel begriffen sind, das heißt von Staaten wie Tunesien oder Ägypten. Sie haben sich Flüchtlingen gegenüber sehr großzügig gezeigt und müssen zur Zeit mit großen wirtschaftlichen und sozialen Herausforderungen fertig werden. Weil ich aus Portugal stamme, in dem es vor Jahrzehnten ebenfalls eine Revolution gab, weiß ich, dass internationale Solidarität zur Bewahrung unserer Demokratie notwendig war. Ich hoffe, dass Tunesien und Ägypten ebenfalls internationale Solidarität erfahren, um ihren demokratischen Wandel zu festigen.