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Wer ist der Killer von Toulouse?

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Wer ist der Killer von Toulouse?

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Hinter diesen Fenstern soll er gelebt haben. Unauffällig. Mohammad Merah. 23. Franzose algerischer Abstammung, wie es als Folge der französischen Kolonialgeschichte Tausende im Lande gibt. Nachdem die Polizei seine Adresse lokalisiert hatte, wurde das Viertel abgesperrt.
Alle Bewohner seines Hauses mussten ihre Wohnungen verlassen. Das Gas wurde abgestellt.

Dieses Phantombild geistert derzeit durch die Medien: Ein schwarzgekleideter Mann auf einem schwarzen Motorroller. Bewaffnet u.a. mit einem 45er Colt und einer Uzi. Das ist eine kompakte Maschinenpistole, die seit über 50 Jahren vom israelischen Rüstungskonzern IMI hergestellt und in alle Welt verkauft wird. Armeen und Polizeikräfte in mehr als 50 Ländern verwenden diese Waffe, was nach Ansicht des Präsidenten der französischen Waffenhändler-Vereinigung, Yves Gollety, darauf hindeuten könnte, dass der Mann sie beim Militärdienst beherrschen gelernt haben könnte.
Er könnte die Waffe bei einer Afrikareise erworben haben, bei einem Händler – der Möglichkeiten seien viele.
Er könnte die Waffe auch über Verbindungsleute aus dem islamistischen Netzwerk erhalten haben, zu dem er sich bekennt. Bezugnehmend auf den französischen Inlandsgeheimdienst heißt es, man habe ihn in Frankreich durchaus schon im Blick gehabt wegen mehrerer Reisen nach Afghanistan und Pakistan. Das legt den Verdacht nahe, dass er dort an solchen Ausbildungslagern teilgenommen habe. In Europa aufgewachsene junge Leute haben seit Jahren in Al-Kaida-Lagern das ideologische wie das militärische Rüstzeug für ihre Bluttaten bekommen. Man denke nur an die Hamburger Terrorzelle. In Toulouse fragen sich jetzt die Ermittler: Wie gut war dieser Mann vernetzt?

Er soll sich selbst einen “Gotteskrieger” genannt haben. Mit Verbindungen zu Salafisten.
Da ist von einer im Februar enttarnten Gruppe die Rede, die Bilder von leidenden palästinensischen Kindern ins Internet gestellt hat. “Sarkosy Dictateur” ist in einem Video zu lesen.
Die Gruppe, die sich “Forsane Alizza” nennt, wirbt mit solchen Bildern von palästinensischem Leid um Anhänger.

Frankreich hatte sein eigenes Problem mit islamistischer Gewalt, lange bevor die Welt Al-Kaida kannte. Eine algerische Terrorgruppe – abgekürzt GIA – verübte im Juli 1995 in der Metro von Paris einen Anschlag mit 8 Toten und weit über hundert Verletzten.
Wer in den nächsten Tagen nach Frankreich zu reisen gedenkt, sollte auf gründliche Kontrollen wie auf Militärstreifen mit schussbereiten Waffen an Flughäfen und Bahnhöfen gefasst sein und alle nötigen Ausweispapiere griffbereit haben.