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EU-Gipfeltreffen in Kopenhagen: Wie sieht die nachhaltige Stadtentwicklung der Zukunft aus?

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EU-Gipfeltreffen in Kopenhagen: Wie sieht die nachhaltige Stadtentwicklung der Zukunft aus?

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“Was macht eine nachhaltige Stadt aus? Mit welchen Problemen müssen Stadträume kämpfen? Welche Vorbilder können kleine und mittlere Städte liefern? Wie lassen sich diese nachhaltig in Europa umsetzen? Schauen wir uns an, welche Antworten der 5. Europäische Gipfel der Regionen und Städte in Kopenhagen auf diese Fragen gefunden hat.”
 
Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in städtischen Gebieten. Man rechnet damit, dass bis zum Jahr 2030 80 Prozent der Europäer in Städten leben werden. Deshalb wird die Diskussion über eine nachhaltige Stadtentwicklung in Zukunft eine entscheidende Rolle in der europäischen Politik spielen. Darum geht es auf dem Kopenhagener Gipfel mit dem Titel “Die europäische Stadtstruktur im 21. Jahrhundert”.
 
“Städte waren schon immer die Keimzellen von Neuerungen, vor allem aus den für Europa charakteristischen mittelgroßen Städten kommen neue Trends. Auch die Chinesen haben jetzt entdeckt, dass nicht nur kleine, sondern auch mittelgroße Städte ideal sind. D.h., dass Städte mit 500- bis 600.000 Einwohnern sehr nachhaltig verwaltet werden können. Sie bauen jetzt diese mittelgroßen Stadtzentren, um die sehr gefährliche Vergrößerung ihrer Städte in Megastädte zu verhindern”, sagt Mercedes Bresso, Präsidentin des Regionalkomitees.
 
Auf dem Gipfel diskutierten und präsentierten Bürgermeister und Landräte ihre Lösungen und Strategien für die Förderung einer nachhaltigen Entwicklungspolitik auf lokaler Ebene. Unter den Teilnehmern war auch der Bürgermeister der baskischen Stadt Vitoria, die sich dank ihres Projekts “Grüner Innenstadtgürtel” mit der Auszeichnung “Europäische Umwelthauptstadt 2012” schmücken darf.
 
“Vitoria ist von einem Ring von Parkanlagen umgeben und die Idee ist, einen solchen Grüngürtel jetzt auch innerhalb der Stadt anzulegen. Wir werden einige große Straßen und Areale begrünen, um den so genannten “Grünen Innenstadtgürtel” zu schaffen, um die Natur in die Stadt zu bringen”, sagt Bürgermeister Javier Maroto Aranzabal.
 
Nachhaltige Praktiken werden oft mit reichen Ländern in Verbindung gebracht. Aber die Hauptakteure auf dem Gipfeltreffen wiesen darauf hin, dass eine umweltfreundliche Wirtschaft gerade auch für schwache Regionen eine Chance ist. Laut dem Direktor des UN-Umweltprogramms, Achim Steiner, weht auch durch die Märkte ein frischer Wind: “In der Wirtschaft beobachten wir bereits jetzt erhebliche Investitionen im Bereich der green economy. 2010 wurden weltweit insgesamt mehr als 210 Milliarden US-Dollar in erneuerbare Energien investiert, mehr als die Gesamtsumme für Öl, Gas und Kohle im Bereich der Stromerzeugung. Wir beobachten diese Veränderungen, aber sie müssen beschleunigt werden; Und die öffentliche Ordnung ist dabei ebenso wichtig, wie die Fähigkeit des Marktes, tatsächlich in diesen Bereich zu investieren. Trotz allem bleibt die Finanzierung ein kritischer Punkt dieser Entwicklung.”
 
Kopenhagen ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine umweltfreundliche Wirtschaft auch wirtschaftlich rentabel ist. Öffentliche Institutionen und Industrie arbeiten zusammen, damit Kopenhagen bis 2025 die erste kohlendioxidneutrale Hauptstadt der Welt wird. Laut dem Bürgermeister konnte die Stadt ihre CO2-Emissionen in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent senken. “Für uns als Stadt ist es ein gutes Geschäft, in Gemeinschaftslösungen wie Fernwärme oder Fernkälte-Systeme zu investieren. Nachhaltige Lösungen sind ein gutes Geschäft für die Stadt, für ihren Haushalt und für die Schaffung von Arbeitsplätzen”, sagt Bürgermeister Frank Jensen.
 
Sobald die Finanzierung steht, bleibt die Frage, wie man das Geld benutzt. Wie müssen Städte organisiert sein, damit sie effizient und gleichzeitig lebenswert sind? Stadtplaner gehen davon aus, dass umweltfreundliche Städte eine hohe Bevölkerungsdichte haben werden, um den Druck auf die Ressourcen zu verringern. 
 
“Wir müssen unsere Art uns fortzubewegen und unsere Art zu bauen ändern. Diese Gebäude dort drüben zeigen, wie wir es nicht mehr machen sollten; frei stehende Gebäude in der alten Art der Modernisten, die einen Block neben den anderen klotzten und dazwischen liegt Niemandsland. Wir müssen viel mehr auf eine urbane Art um öffentliche Räume herumbauen: Plätze, Straßen und Parks, die die Menschen dazu einladen, sich zu treffen, spazieren zu gehen oder Fahrrad zu fahren”, meint Stadtplaner Jan Gehl.
 
Die entscheidende Rolle einer nachhaltigen Stadtentwicklung wird im Rahmen der Rio+20 Debatte zu einer globalen Aufgabe. Denn weltweit stehen viele Städte bereits kurz vor dem Kollaps. Der Gipfel hofft, dafür Lösungen liefern zu können.