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Libanon muss die Last der Politik Syriens tragen

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Libanon muss die Last der Politik Syriens tragen

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Es ist der benachbarte Libanon, der von der Lage in Syrien am meisten betroffen ist. Über die Auswirkungen sprachen wir mit dem früheren libanesischen Präsidenten Amine Gemayel.

Amine Gemayel:
Gewalt, Tötungen, Instabilität – alles, was Syrien exportiert und dem Libanon früher aufgezwungen hat, als es ihn beherrschte, trifft nun Syrien selbst. Was die wirtschaftlichen Sanktionen anbelangt, nimmt ein solches Regime keinerlei Rücksicht auf seine Bevölkerung. Ob diese Not und Hunger erleidet oder nicht, spielt keine Rolle. Es ist wie zu Zeiten der Sowjetunion und der schlimmsten Diktaturen, die sich keinen Deut um ihre Menschen scherten, denn diese sind ihre kleinste Sorge. Ich bin nicht davon überzeugt, dass Wirtschaftssanktionen entscheidend zum Sturz dieses Regimes beitragen können.

Euronews:
Wie wirkt sich die Lage in Syrien wirtschaftlich auf den Libanon aus?

Amine Gemayel:
Es gibt ohne Zweifel unmittelbare Folgen. Wenn beispielsweise ein Teil der Bevölkerung Syriens infolge der Gewalt und der wirtschaftlichen Notlage genötigt ist, in den Libanon zu flüchten, muss das Land diese Last tragen. Seit langem beherbergen wir palästinensische Flüchtlinge. Weil die wirtschaftliche Lage im Libanon schwierig ist, stellt sich die Frage, ob das Land die Möglichkeit hat, eine größere Anzahl von Flüchtlingen aufzunehmen, die eintreffen könnte. Das ist, was uns kurz- und mittelfristig beschäftigt.

Euronews:
Syrien wirft dem Libanon vor, seine Grenzen nur nachlässig zu kontrollieren. Wissen Sie Genaueres darüber?

Amine Gemayel:
Es ist in unserem gemeinsamen Interesse, die Grenzen zwischen dem Libanon und Syrien zu kontrollieren. Doch für die libanesische Regierung ist es schwierig, die Gesamtheit der Grenzen zu kontrollieren. Ich möchte hinzufügen, dass die syrische Opposition und die Revolutionäre der libanesischen Grenzen nicht bedürfen, denn wie wir alle wissen, unterstützt die türkische Regierung offiziell die syrische Opposition. Der Irak hat ebenfalls lange Grenzen zu Syrien und eigene Interessen. Das trifft auch für Jordanien zu. Diese Länder haben enorme Möglichkeiten. Mehr noch: Bestimmte Länder der Golfregion und bestimmte reiche Länder zeigen sich solidarisch und versorgen die Revolutionäre mit Waffen. Die Waffen können an jeder Grenze ankommen, an der Grenze zur Türkei, zu Jordanien, zum Irak oder zum Libanon. Auch können sie von Waffenschmugglern übers Meer gebracht werden.