Eilmeldung

Eilmeldung

Castro und Benedikt witzeln über das Alter

Sie lesen gerade:

Castro und Benedikt witzeln über das Alter

Schriftgrösse Aa Aa

 
Der kubanische Revolutionsführer Fidel Castro hat sich mit Papst Benedikt XVI. getroffen. Bei dem halbstündigen Treffen in der päpstlichen Nuntiatur in Havanna führten die beiden Männer nach Angaben des Vatikan-Sprechers Federico Lombardi einen “lebendiges” Gespräch. Es habe einen “intensiven und herzlichen” Meinungsaustausch gegeben. Die beiden Über-Achtzig-Jährigen hätten Späße über das Altern gemacht. Castro habe darüber gesprochen, wie er mit so manchen “modernen Dingen” Probleme habe.  
 
Die Opposition in Kuba beklagte, dass Benedikt sich nicht mit den Familien und Vertretern der politischen Gefangenen getroffen und auch ihrer Meinung nach nicht offen genug zu diesem Thema Stellung genommen habe.  
 
Dissident Oswaldo Paya kritisierte auch die Regierung in Havanna. Er sagte: “Die Regierung unterdrückt weiter, bestimt alles mit absoluter Arroganz, die Messen gleichen Kriegsoperationen. Das ist nicht der Frieden, den Seine Heiligkeit sich wünscht.”
 
Die “Damen in Weiß” kämpfen seit Jahren unermüdlich für die Freilassung politischer Gefangener. Sie haben den Vatikan, um ein Treffen mit dem Papst gebeten, doch ohne Erfolg.  
 
“Wir wollten den Heiligen Vater bitten, dass er sich für die politischen Gefangenen einsetzt, aber wir konnten nicht zu ihm”, sagt eine der Frauen in Weiß.
 
Und trotz allem jubelten die Massen dem Pontifex zu und der Himmel weinte, als Benedikt Kuba verließ. 

Wandel in Kuba dank Papst?

Seitdem in Kuba Fidel Castros jüngerer Bruder Raul die Macht übernommen hat, hat sich das Land vorsichtig geöffnet. Die Kubaner dürfen mehr auf eigene Rechnung arbeiten und seit kurzem auch Häuser und Autos kaufen. Sie sollen dazu ermutigt werden, kleine Unternehmen zu gründen.

Castro will mit den Reformen die kriselnde Wirtschaft auf der Insel in Schwung bringen. Das Bürokratiewesen soll erschlanken, bis zu einer Million Beamte könnten entlassen werden. Experten zufolge werden die Parteifunktionäre Widerstand leisten und könnten so den Wandel im Keim ersticken.

Die “Damen in Weiß” kämpfen seit Jahren unermüdlich für die Freilassung politischer Gefangener. Sie haben den Vatikan, um ein Treffen mit dem Papst gebeten. Sie wollen ihm die Sorgen der Menschen in Kuba darlegen.

Berta Soler, die Anführerin der Menschenrechtsaktivistinnen, erklärte, dass sie sich angesichts des vollen Terminplans des Papstes mit einer Minute zufrieden geben würden.

Die Papstreise hat auf alle Fälle viel Aufmerksamkeit der Medien auf Kuba gelenkt. Viele Kubaner hoffen, dass Benedikts Besuch zu politischer Veränderung beitragen wird. Präsident Raul Castro hat zwar einige Reformen auf den Weg gebracht, doch kann die katholische Kirche bei der Öffnung der kubanischen Gesellschaft helfen?

Euronews sprach mit ABC-Reporterin Christiane Amanpour vorort in Havanna.

Euronews: “Was kann der Papstbesuch bewirken?”

Amanpour: “Das ist schwer zu sagen. Die Leute sehen das sehr kritisch. Ich war vor vierzehn Jahren hier, als Papst Johannes Paul II. kam. Alle hatten so große Hoffnungen in seinen Besuch gesetzt. Danach hat sich kaum etwas geändert.

Die durchgeführten Reformen betreffen die Wirtschaft, es sind keine politischen Reformen. Erst gestern bekräftigte ein hoher Minister, dass es keine politischen Reformen geben werde. Die wirtschaftlichen Reformen dahingegen würden fortgeführt.

Auf der anderen Seite hat der Papstbesuch damals 1998 eines bewirkt: Er hat die katholische Kirche in Kuba gestärkt und, ehrlich gesagt, ist die Kirche jetzt der einzige anerkannte Vertreter eines Wechsels. Aber eine Veränderung wird lange dauern und die Kubaner gehen auch nicht von einer drastischen Veränderung auf ihrer Insel aus. Es wird keinen Aufstand wie in der arabischen Welt geben.”

Euronews: “Die Kirche ist und bleibt der größte Einfluss auf die Gesellschaft, abgesehen von der Regierung natürlich. Der Vatikan sagt, er setze sich für humanitäre Belange, eventuell für politische Gefangene, in Kuba ein. Hört Raul Castro zu?”

Amanpour: “Wir Journalisten haben gefragt, ob der Papst über das Thema politische Gefangene mit Raul Castro gesprochen hat. Und seine Leute des Papstes sagten uns, diese Themen kämen immer bei solchen Unterredungen auf den Tisch, aber etwas Genaueres sagten sie nicht. Wir wissen ja, dass dieser Papst nicht gerade dafür bekannt ist, dass er in die Konfrontation geht. Er ist weniger charismatisch, weniger direkt, was diese speziellen Angelegenheiten betrifft. Es wird lange dauern, bis hier in Kuba so etwas wie politische Freiheit entsteht.”

Euronews: “Wir haben gesehen, wie während der Papstmesse ein Mann “Nieder mit dem Kommunismus” gerufen hat und wie er ziemlich brutal abgeführt wurde. Jetzt sagen Dissidenten, dass er geschlagen worden ist. Wissen Sie etwas darüber?”

Amanpour: “Nein, wir wissen gar nichts. Wir haben bei der Papst-Entourage nachgefragt, bei Regierungsvertretern, bei denen, die sich hier vorort um die Dissidenten kümmern. Niemand weiß auch nur irgendetwas, was mit diesem Mann passiert ist. Da wurde natürlich ein Exempel statuiert für all diejenigen, die möglicherweise vorhaben, aufzustehen und etwas dramatisches zu tun.

Aber seien wir ehrlich, in jedem anderen Land wäre jemand, der bei einem hohen Staatsbesuch aufspringt und zu schreien beginnt, auch abgeführt worden. Die Frage ist nur die, was geschieht dann mit dieser Person und erfahren wir, was passiert. Das ist im Moment nicht der Fall.”