Eilmeldung

Eilmeldung

"Kiss and Cry" - mit Händen zu (be)greifen

Sie lesen gerade:

"Kiss and Cry" - mit Händen zu (be)greifen

Schriftgrösse Aa Aa

Zwei Hände – eine männliche, eine weibliche. Ihre zehn Finger spielen die Hauptrolle in einer bezaubernden Tanz-Produktion aus Belgien. Ihr Name: “Kiss and Cry”. Eine Liebesgeschichte eben.
Die Show ist ein magisches Miniatur-Ballett, bei dem sich die Finger umschlingen und miteinander flirten – das Ganze in niedlichen Kulissen aus dem Spielzeugladen.

Hinter der Performance steht der belgische Filmregisseur Jaco van Dormael. Sein Multimedia-Projekt will Tanz, Theater und Kino miteinander verbinden. Während der Fingerspiele arbeitet eine Bühnencrew daran, die Show auf eine Leinwand zu bringen. Das Publikum kann so den Film und die Entstehung verfolgen.

Jaco van Dormael: “Es ist die Geschichte einer älteren Dame, die sich an die Berührung der Hand eines Jungen während einer Zugfahrt erinnert. Sie war damals 12. Sie kennt weder das Gesicht noch den Namen des Jungen, aber sie erinnert sich an seine Hand. Ihr ganzes Leben lang war sie auf der Suche nach dieser Hand. Es sind als fünf Liebesgeschichten, wie die Finger einer Hand. Und hede Lovestory wird nur mit Händen erzählt.”

“Für mich bestand die Herausforderung darin, einen Spielfilm auf dem Küchentisch zu produzieren. Und
für meine Frau, eine Tänzerin, nur mit Händen zu tanzen.”

Die Hauptrolle wird von Dormaels Frau getanzt, der Choreografin Michele Anne de Mey. Die Begrenzung der Performance auf die Perspektive von Fingergrößen stellte sie vor besondere Herausforderungen. Einerseits tanzte sie nur mit ihren Händen. Andererseits, so sagt sie, war sie in der Lage gleichzeitig verschiedene Charaktere und Gefühlslagen auszudrücken. “Die Hand im Stück ist stets nackt, das ist eine gewisse Form der Sinnlichkeit. Die Hand ist dabei im ständigen Rollentausch. Einmal bewegt sie kleine Gegenstände, manchmal wird sie ein Tier, ein Vogel etwa. Dann wieder spricht sie Zeichensprache. Oder sie wird ein Mensch, der rennt, der liebt und der ein Duett mit seinem Partner tanzt.”

Obwohl der Produktions-Set nie größer ist als ein Küchentisch, wirken der clevere Umgang mit Licht und haushaltsgeräten wie ein Haarfön und Plastikfolie Wunder. Van Dormael kann dadurch einen Sandstrand, einen Ozean oder eine sternenklare Nacht schaffen.

Produziert von Charleroi Danses, bekam die Show in Belgien begeisternde Kritiken und Standing Ovations vom Publikum. Im April geht die Show auf Welttournee. Zu sehen ist sie dann im Libanon und in Kanada.