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Mali - der Tuareg-Konflikt

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Mali - der Tuareg-Konflikt

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Rund 200.000 Menschen sind in Westafrika auf der Flucht aus Mali in die Nachbarländer. Auf der Flucht vor Rebellen einer Volksgruppe, die nicht mehr zu dem Staat gehören wollen, dem sie einst von Kolonialherren zugeordnet wurden. Die Mutter
Zoulfa ist mit ihren vier Kindern in einem Wüstenlager in Niger gelandet, andere in Mauritanien. Sie spricht die Sprache der Tuareg, jener Volksgruppe, deren Kämpfer die Fluchtwelle ausgelöst haben. “Wir sind Nomaden”, erzählt sie. “Wir leben nicht an einem festen Ort. Es kamen bewaffnete Männer in unser Lager und stahlen unsere Sachen. Weil sie uns weiter bedroht haben, sind wir fortgezogen.”
Das Nomadenvolk der Tuareg lebt im Norden von Mali, in der Region Azawad. Ihre Wanderwege ziehen sich aber quer über die Grenzen mehrerer Länder hin. Von den rund drei Millionen Tuareg gelten die meisten als Staatsbürger Malis.
Ihre Religion ist der sunnitische Islam.
Die einen Tuareg-Rebellen gehören zur “Nationalen Bewegung für die Befreiung des Azawad”, abgekürzt MNLA. Einer ihrer in Mauritanien lebenden Anführer, Hama Ag Mahmoud, erklärt in fließendem Französisch, seine Truppe habe nichts mit jenem islamistischen Zweig zu tun, der sich AQIM nenne. Das seien Gotteskrieger, seine Bewegung wolle ohne religiösen Druck den besten Weg im Interesse der Region Azawad finden.

Die Tuareg-Rebellion hatte Mitte Januar begonnen.
Rebellen, die in Libyen auf Seiten Gadaffis gekämpft hatten, waren mit ihren Waffen zurückgekehrt und hatten die Armee von Mali angegriffen. Der Konflikt zwischen dem ethnisch homogenen Volk der Tuareg im Norden und der Führung im Süden, wo mehrere Ethnien zusammenleben, gärt schon lange. Die Tuareg sehen ihre Interessen im Staat Mali nicht vertreten.

Die Tuareg-Rebellen werden von der AQMI, den algerischen Salafisten unterstützt, die sich jetzt “Al Kaida des islamischen Maghreb” nennen. Vieles deutet darauf hin, dass diese Gruppe sich mit den Gotteskriegern der Gruppe “Ansar Dine” verbündet hat, als deren Anführer Iyad Ag Ghaly gilt.
Diese islamistischen Rebellen haben nun die Rivalen von der MLNA aus Timbuktu vertrieben und wollen in der Stadt die Scharia einführen.
Timbuktu, dessen Geschichte bis in 11. Jahrhundert zurückreicht, ist mit seinen einzigartigen Bibliotheken das Zentrum der Tuareg-Kultur.
Die UNESCO, auf deren Welterbeliste die Stadt seit 1988 steht, hat die Bewaffneten aufgerufen, die Kulturschätze zu respektieren.