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Alltag während der Belagerung - Museum zeigt Sarajevo im Krieg

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Alltag während der Belagerung - Museum zeigt Sarajevo im Krieg

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Die einzige Ausstellung über die Geschichte der Belagerung Sarajevos findet man in einem Museum der bosnischen Haupstadt. Bei der Belagerung waren die Bewohner vom Rest der Welt abgeschnitten, als die bosnischen Serben die Stadt im April 1992 angriffen. Dieser Zustand dauerte fast vier Jahre. Mehr als 11.000 Menschen kamen dabei ums Leben.

Die Ausstellung zeigt Fotografien und andere Zeugnisse, zusammen getragen von den Bewohnern.
Die Museumskuratorin war damals ein Teenager.
“Zu sehen ist der tägliche Kampf, der Mut der Menschen, ihren Überlebenswillen”, so Elma Hasimbegovic. “So organisierten sie immer noch Kulturereignisse oder den Schulbetrieb. Das Leben sollte normal erscheinen, aber es war alles andere als das.”

Wegen seiner ethnischen und religiösen Vielfalt wurde Sarajevo lange Zeit das Jerusalem Europas genannt. Als nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens der Krieg ausbrach, waren die Bewohner Sarajevos von dem um sich greifenden Hass schockiert.

Haasimbegovic: “Diese Ausstellung zeigt die Bürger Sarajevos, wir teilen sich nicht in ethnische Gruppen ein, wie es sie jetzt gibt oder wie man die Bevölkerung jetzt darstellen will. Sie waren Bürger Sarajevos, ganz gleich, ob sie Moslems, Bosnier, Kroaten oder Serben waren. Und wenn wir über die Belagerung und den Krieg sprechen, dann sprechen wir auch über gelebte Solidarität. Die Menschen halfen sich, um diese Zeit durchzustehen.”

Eine der tragischen Spätfolgen dieses Konflikts ist, dass es praktisch kein Aufarbeiten des Krieges gibt, der das Land zwischen 1992 und 95 zerstörte. Die Wunden der Erinnerung wollen nicht vernarben.
An den Schulen findet ein Unterricht darüber nicht statt.

Hasimbegovic: “Die Politiker und Lehrplaner haben immer noch Angst, sich diesem sensiblen Thema zu nähern. Deswegen ist die Ausstellung so wichtig, denn sie zeigt das Alltagsleben in Fotos und Dokumenten, ohne irgendeine Bewertung. Es sind nur Fakten.”

Eine andere traurige Tatsache ist, dass das Museum finanziell ums Überleben kämpft. Denn einen Kulturetat kennt das geteilte Bosnien nicht.