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Avantgarde der iranischen Musik experimentiert

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Avantgarde der iranischen Musik experimentiert

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Hossein Alizadeh, Shahram Nazeri, Majid Khaladj, sie gehören zu den größten iranischen Musikern der Gegenwart und haben sich wieder einmal zusammen gefunden, um im Stadttheater in Paris ihre Stücke zu präsentieren – innovativ aber doch ohne die traditionellen Prinzipien ganz zu vergessen.

Zur Innovation gehört für Hossein Alizadeh auch die Konstruktion von Musikintrumenten, wie den Sourangiz, eine Art Laute.
Auch weibliche Stimmen mischte Alizadeh in seine Musik: “Ich bin sehr froh, denn ich habe mich in einem Land, wo es eine Art Fanatismus für die traditionelle Musik gibt, von diesem Hindernis befreien können. So konnte ich zeigen, dass der Fanatismus nicht gut ist, denn oft ist er ohne Wurzeln.”

Alizadeh versucht vor allem die Improvisationen zu verbessern. Drei mal war er für die Grammy Awards nominiert: “Wenn ich an Musik denke, dann empfinde ich sie zuallererst in Farben. Es ist normal, dass ich ungewöhnliche Klänge suche.”

Shahram Nazeri hat dagegen einen neuen Gesangsstil entwickelt: der ist vermischt mit epischer und mystischer Literatur. Im Jahr 2007 wurde Nazeri mit einem der wichtigsten Kunstpreise Frankreichs ausgezeichnet. Er selbst sagt: “Ich habe eine Art Gesang gesucht, der bereits verschwunden ist wie der epische Gesang. Der Unterschied zwischen mir und anderen ist das Kurdische in meiner Stimme.”

Nazeri ist in seinem Schaffen besonders von der Poesie des bekannten Sufi-Meisters Rumi beeinflusst. Gleichzeitig hat er viel Neues ausprobiert und gehört zur Avantgarde. Allerdings werde die Musik im Iran unterdrückt, daher habe sie bisher noch nicht ihren Platz gefunden, meint Nazeri. “Sie konnte sich nicht so entwickeln wie die persische Literatur.”

Mit einem neuen Zugang zu Percussion-Instrumenten hat der dritte Künstler, Majid Khaladj, seiner Musik eine besondere Note gegeben. Beim Konzert in Paris spielte er auf der Tombak-Trommel und dem sogenannten Zang-é-sar angoshti. “Ich benütze das Zang-é-sar angoshti seit zehn Jahren”, erzählt Khaladj. “Auf den Miniaturtafeln der Qadjar-Dynastie sieht man Frauen, die das Instrument spielen. Es wurde also früher schon benutzt.”

Zum Konzert in Paris sind nicht nur Iraner gekommen. Eine Französin ist begeistert:
“Ich spreche kein Persisch, leider verstehe ich die Poesie, die Texte nicht. Aber die drei Musiker sind außergewöhnlich mit fanstastischen Techniken.”
Ein Mann schließt an: “Die Musik verbindet Menschen, daher muss man sie immer fördern. Dank an diese Interpreten.”
Zwar sei die traditionelle iranische Musik für Nicht-Iraner nicht verständlich, meint eine junge iranische Zuhörerin, “aber die Musik von Nazeri ist für sie interessant.”

Die drei Musiker werden ihre Konzerte in Europa fortsetzen und so ein anderes Bild des Irans zeigen, eines der faszinierenden Welt der iranischen Musik.