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Josef Stalin für die Schultasche

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Josef Stalin für die Schultasche

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Er steht zwischen dem russischer Nationalhelden Alexander Jaroslawitsch Newski aus dem 13. Jahrhundert und Marschall Georgi Konstantinowitsch Schukow, der den II Weltkrieg mit entschieden hat – Josef Stalin. Dem Sowjet-Diktator wird der Tod von Millionen zur Last gelegt – jetzt hat er es in einer Notizbuch-Edition für russische Schüler in die Reihe der “20 großen Russen” geschafft. Und geht weg wie warme Semmeln.

Olga Utesheva, Haus des Buches, Moskau:

“Wir sagen, dass es ihn gegeben hat. Und was in seiner Regierungszeit in unserem Land los war, was schlecht war und was gut. Ein abschließendes Urteil – das ist absolut nicht unsere Rolle. Das muss doch eher jeder Einzelne für sich leisten.”

Der Verlag will die Hefte nicht zurückziehen, obwohl sie selbst der russische Kultusminister Andrey Fursenko nicht mag.

Die internationale Menschenrechtsorganisation Memorial beschäftigt sich kritisch mit Gewaltherrschern.

Jan Rachinsky, Memorial Moskau

“Ich meine, das ist nicht der erste Versuch, diese Relikte des Stalinismus, die leider in unserem Land erhalten geblieben sind, in Schule und Bildung einzubringen – etwa eine Haltung gegenüber dem Staat, als wäre er mehr wert als das menschliche Leben.”

Ein Verbot lehne er aber ab – Lehrer sollten mit den Kindern diskutieren, wenn sie mit dem Heft ankämen.

Stalin regierte die Sowjetunion mehr als 30 Jahre lang bis 1953. Eine Notiz auf der Rückseite des Hefts weist auf die Opfer des Stalinismus hin – aber auch, was in seiner Zeit erreicht worden sei.

Neben Stalin steht auch Zar Iwan der Schreckliche in der Reihe der “großen Russen” für Schüler. Dessen Hobby: Besondere Foltermethoden.

mit AP