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Kartellwächter ermitteln gegen Ölmultis

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Kartellwächter ermitteln gegen Ölmultis

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Das Bundeskartellamt hat Verfahren gegen BP/Aral, Esso, Jet, Shell und Total eingeleitet. Anlass sind nur indirekt die höchsten Benzinpreise aller
Zeiten: Betreiber freier Tankstellen hatten sich beschwert – die Ölmultis würden ihnen Kraftstoff zum Teil teurer verkaufen als den eigenen Endkunden.

Dazu das Bundeskartellamt: Die Freien müssten zu fairen Bedingungen beliefert werden, um im Wettbewerb gegen das Oligopol der großen Fünf eine Chance zu haben. Sie sind auf deren Sprit angewiesen. Sie machen ein Drittel des Marktes aus.

Manfred Milz-Caspar, Betreiber einer freien Tankstelle in Essen:

“Das ist ja nicht in Ordnung. Ich finde, ein bisschen Gerechtigkeit muss schon her. Warum können die sich das rausnehmen, die Mineralölkonzerne. Das geht nicht.”

Die fünf Großen sollen außerdem an bestimmten Tankstellen Sprit systematisch zu Dumpingpreisen verkauft haben, um so unabhängige Anbieter auszubooten.

Freie würden nciht benachteiligt, meint Cornelia Wolper, Sprecherin von Shell:

“Das ist bereits geltendes Recht. Das halten wir ein. Wir sind überzeugt, dass sich dieser Mechanismus bewährt hat.”

Eine Sprit-Preiswelle kurz vor Ostern hatte eine aufgeregte politische Debatte ausgelöst.

Das Bundeskartellamt hatte das Tankstellen-Gewerbe mehrere Jahre lang untersucht. Das Ergebnis: Es herrscht ein sogenanntes Oligopol. Die fünf großen Konzerne haben sich einen Großteil des Marktes gesichert.

Solange keiner ausschert, sind auf einem solchen Markt Preisabsprachen gar nicht nötig.

Die großen Konzerne beobachteten sich gegenseitig genau, so Kartellamtschef Andreas Mundt, und zögen bei Preisänderungen der Konkurrenz binnen weniger Stunden nach. Das sei aber nicht verboten.

Einziger Ausweg: Das Wettbewerbsrecht ändern und die Mineralölkonzerne entflechten.

mit dpa, Dow Jones Newswires