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Sarkozy und Gegner Hollande - in der Gunst der Franzosen gleichauf

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Gerade hat der französische Präsident Nicolas Sarkozy sein Wirtschaftsprogramm für die Monate nach den Präsidentschaftswahlen vorgestellt. Da veröfftentlicht die Wirtschaftszeitung LESECHOS zusammen mit dem Umfrageinstitut CSA auch schon eine Umfrage, die besagt, dass die Franzosen die Programme von Sarkozy und von seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande für etwa gleich glaubwürdig halten. 42 Prozent der Befragten halten das Programm des aktuellen Staatspräsidenten für glaubwürdig und positiv, 52 Prozent für negativ – das Programm von François Hollande befürworten 44 Prozent und ebenfalls 52 Prozent lehnen es ab. Das Programm des Zentrumskandidaten François Bayrou befürworten 43 Prozent der Befragten, 49 Prozent sind dagegen. Die anderen Kandidaten – auch der Linke Jean-Luc Melenchon, der derzeit in Frankreich viel von sich reden macht – liegen in dieser Umfrage weit zurück.

Der politische Direktor des Umfrageinstituts CSA Jérôme Sainte-Marie wertet das Ergebnis seiner Umfrage als negativ für Nicolas Sarkozy, dessen Parteifreunde auf einen Glaubwürdigkeitsvorsprung des Amtsinhabers gehofft hatten.

Seine 32 Vorschläge zur Wirtschaftspolitik präsentiert der Präsident in einem “Brief von Nicolas Sakozy an das französische Volk” – auch nachzulesen auf der Internetseite der Partei UMP – dieser beginnt handschriftlich eingeleitet mit “Meine lieben Landsleute, es gibt nichts Schöneres in der Demokratie als die Liebe zum eigenen Land…” Und die am einfachsten zu erklärende Maßnahme, die immerhin mehr als 15 Millionen Franzosen direkt betrifft und so gut wie gar nichts kostet, besteht darin, dass die Renten vom 1. Juli an nicht am 8. sondern am 1. jeden Monats ausgezahlt werden sollen. Ansonsten – wie sollte es in der Krise anders sein – muss auch Sarkozy ein Sparprogramm vorlegen, aber er verspricht die französischen Zahlungen an die EU einzufrieren.

In den letzten Umfragen verschiedener Meinungsforschungsinstitute, die Le Monde interaktiv veröffentlicht, liegt Nicolas Sarkozy in der ersten Runde knapp vor François Hollande. Doch nicht zuletzt durch den steigenden Zuspruch für den Linken Jean-Luc Melenchon, dessen Stimmen bei der Stichwahl zu einem großen Teil Hollande zugute kommen dürften, liegt der Sozialist bei den Umfragen für die zweite Runde am 6. Mai weiterhin deutlich vor Sarkozy.
Jean-Luc Melenchon hat nach der Place de la Bastille in Paris nach Angaben seiner Partei mehr als 70.000 Menschen Place du Capitole in Toulouse versammelt, die Widerstand und Rebellion gegen das System Sarkozy auf ihre roten Fahnen geschrieben hatten.

Andererseits halten die Anhänger des Zentrumskandidaten François Bayrou und der rechtsextremenen Marine Le Pen das Programm von Nicolas Sarkozy für glaubwürdiger als das sozialistische.

Selbst bis zur ersten Runde am 22. April, an dem 10 Kandidaten antreten, kann noch viel geschehen im französischen Wahlkampf – auch wenn dieser die Franzosen kaum vom Hocker reißt. Viele Wirtschaftsexperten unterstreichen ohnehin, dass sich die Programme der beiden großen Kandidaten kaum unterscheiden – trotz aller Attacken, die sich Sarkozy und Hollande bei ihren jeweiligen Auftritten liefern. So bezeichnet der Sozialist Sarkozys Programm als nichts Neues und als “Illusion”.

Auch die weitgehend unbeachtete Grüne Eva Joly mischt im Wahlkampf wieder mit, sie hatte die Aufmerksamkeit der Medien nur erregt, als sie nach einem Kinobesuch in Paris auf der Treppe gestürzt war und ins Krankenhaus musste. Jetzt ist sie wieder da, die ehemalige Untersuchungsrichterin aus Norwegen – mit selbstironischen Bemerkungen und ihre blauen Flecken hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt verkündet Joly, sie werde nicht vorzeitig aufgeben. Die Kandidatin der französischen Grünen liegt in den Umfragen bei zwei bis drei Prozent.