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Twitter erobert das Klassenzimmer

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Twitter erobert das Klassenzimmer

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Die 2.0 Revolution hat das Klassenzimmer erreicht: Seit November 2011 haben bereits die Fünfjährigen im Kindergarten von Siarrouy, einer kleinen ländlichen Gemeinde im Südwesten Frankreichs, Umgang mit Twitter und Internet: Die Kinder lernen das Schreiben nicht mit Stift und Schiefertafel, sondern mit Computer-Tastatur und Bildschirm.

Das Prinzip ist simpel: Der Lehrer schreibt die Nachricht auf, die sie senden wollen, und die Kinder suchen und drücken die Buchstaben auf der Tastatur.

Obwohl die Kleinen natürlich noch nicht lesen und schreiben können, hat diese Übung aus Sicht des Lehrers einen nicht minder großen Nutzen. Denn die Kinder entwickeln damit einen Sinn für die Rechtschreibung und lernen ihre Gedanken zu verknüpfen.

“Wenn man die Kleinen fragt, was könnten wir schreiben, antworten sie mit Sätzen wie: Mein Papa ist ein starker Mann. Das hat natürlich überhaupt nichts mit dem zu tun, was wir reden! Soweit zu kommen, sich zu fragen, was machen die anderen, um einen zum Gespräch passenden Satz zu sagen, das ist auch ein wichtiges Lernziel”, sagt Lehrer Olivier Menadier.

Der Twitter-Account der Klasse ist natürlich geschützt: Ohne die Erlaubnis des Lehrers darf niemand die Nachrichten lesen. Denn die Kinder posten nicht mit ihren Eltern wie andere Klassen, sondern sie stehen mit kanadischen Schülern in Calgary in Verbindung. Und die anfangs skeptischen Eltern sind mittlerweile von dem Nutzen des Projekts überzeugt, so wie Sophie Herkenrath: “Das gehört mittlerweile zu den Arbeitswerkzeugen eines Kindes, man kann das Internet mit all seinen Möglichkeiten nicht mehr ignorieren. Es ist eine gute Sache. Aber es ist natürlich wie mit allen Sachen: man muss konsequent sein und Grenzen setzen und vor allem auch über die Gefahren reden, die dahinter stecken können.”

Derzeit gibt es rund 150 Twitterklassen in Frankreich. Kritiker sehen in diesem Pilotprojet eine gefährliche Mischung zwischen Wirtschaft und Bildung. Aber das ist nicht die Meinung des Pädagogen Nicolas Szilas: “Was diese Technologien so interessant macht, wenn man sie zum Kommunizieren benutzt, ist, dass man endlich die eigenen vier Wände verlassen kann und eine authentische Lernerfahrung macht. Denn man kann eine Sache zehnmal in der Klasse erklären, aber kann man das Erlernte danach auch wirklich anwenden? Das ist doch die große Frage.”

Auch eine private Schule in Genf sammelt Erfahrungen mit dem Einsatz moderner Technologien. In einer in Europa einzigartigen Initiative hat sie alle ihre 1200 Schüler mit einem Tablet ausgestattet. An diesem Morgen steht für die Schüler dieser 7.Klasse Mathe im Netz. Von seinem Platz aus kann der Lehrer Karim Hejaj die Rechenübungen seiner Schüler kontrollieren. Er sagt: “Man hat mehr Aufmerksamkeit und man kann sicher sein, dass sich alle am Unterricht beteiligen. Außerdem kann man die Arbeit jedes einzelnen sofort vor Ort kontrollieren. Die Kinder arbeiten außerdem viel schneller und effektiver, zumindestens aus meiner Sicht. Sie nutzen das Tablet wie ein Werkzeug, als hätten sie nie etwas anderes getan.”

Die Kosten bleiben überschaubar: Ein Gerät kostet knapp über 160 Euro pro Kind und Jahr. Eine bescheidene Investition, die sich aber auszahlen könnte: Nämlich dann, wenn diese Technologie ein Werkzeug unter anderen bleibt, und nicht zum Selbstzweck wird.