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Breivik genießt den Medienrummel um seinen Prozess - die Norweger nicht

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Breivik genießt den Medienrummel um seinen Prozess - die Norweger nicht

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Der Angeklagte gibt alles zu – ja, 77 Menschen habe er vor einem dreiviertel Jahr den Tod gebacht. Ein kurzer Prozess gegen den Norweger Anders Behring Breivik ist von Montag an trotzdem nicht zu erwarten.

Breivik sieht in dem Verfahren nach eigener Aussage die “absolut einmalige Möglichkeit, der Welt meine Ideen zu erklären”.

Mehr als 800 Journalisten haben sich angesagt, sieben Straßen im Umkreis des Gerichts werden für den Verkehr gesperrt. In 17 Gerichtssäle im ganzen Land werden seine Aussagen live übertragen.

Gerichts-Sprecherin Ina Stromstad:

“Das gibt einen enormen Druck auf alle Zeugen, wenn sie in den Zeugenstand treten und ihre Aussagen machen. Die wichtigste Frage in diesem Verfahren wird sein: Ist der Mann gesund oder krank.”

Zwei Experten haben sich offenbar schon gegensätzlich geäußert.

Viele fürchten, der rechtsradikale Islamhasser Breivik könnte sich mit seinen rassistischen Aussagen in zehn Wochen Prozess zum Mythos hochstilisieren.

Kleiner Vorgeschmack:

Er bedauere, nicht noch mehr Menschen getötet zu haben, ließ er über seinen Anwalt verbreiten.

Der Dekan der Kathedrale von Oslo:

“Wir konnten es erst mal überhaupt nicht glauben, dass einer aus unserem Kulturkreis, aus unserem Land, so etwas machen kann. Aber es ist besser für uns, dass er aus unserer Mitte kommt, dann können wir das bewältigen.”

Breivik hatte laut Anklage im vergangenen Juli in Oslo eine fast eine Tonne schwere Aurtobombe gezündet – acht Tote. Dann starben 69 junge Sozialdemokraten in einem Ferienlager auf der Insel Utøya.

80 Prozent der Norweger wollen Umfragen zufolge keine Nachrichten mehr über Breivik und den Prozess sehen.

mit dpa, Reuters, AFP