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Herausforderer Hollande hat's nicht leicht

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Herausforderer Hollande hat's nicht leicht

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Endspurt im französischen Wahlkampf – am kommenden Sonntag findet die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt, und allen Umfragen zufolge kann der sozialistische Kandidat François Hollande in der zweiten Runde am 6. Mai damit rechnen, zum Nachfolger von Nicolas Sakozy gewählt zu werden. Doch so richtig begeistert vom Spitzenreiter – der in einigen Umfragen in der ersten Runde vom aktuellen Präsidenten geschlagen werden könnte, aber in allen Umfragen für die Stichwahl deutlich vor Nicolas Sarkozy liegt – ist auch in Frankreich offenbar niemand. Ist vielleicht die Krise schuld an der morosen Stimmung?

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hätte der Sozialist François Hollande vor den Wahlen gerne in Berlin getroffen, doch die Kanzlerin wollte das nicht. Sie hat sich offen für Nicolas Sarkozy ausgesprochen, eigentlich hätte Angela Merkel sogar für den UMP-Kandidaten Wahlkampf machen sollen, schließlich gehören die CDU und Sarkozys UMP beide zur Europäischen Volkspartei. Doch dann hatte die UMP wohl doch Angst, dass die französischen Wähler auf einen Auftritt von Angela Merkel nicht nur positiv reagieren könnten. Zu oft wird das “Merkozy”-Gespann in der französischen Presse aufs Korn genommen, zu oft heißt es, Sarkozy tue alles, was Merkel wolle. Der Witz, es gebe nur drei Frauen im Leben von Sarkozy, ist landesweit bekannt, diese drei Frauen sind Carla, seine Tochter Giulia und Angela…

In Interviews mit der deutschen Presse spielt Herausforderer Hollande die Unterstützung von Angela Merkel für seinen Gegner herunter, diese sei ganz normal unter europäischen Konservativen… und er werde, wenn er gewählt werde, gut mit der Bundeskanzlerin zusammenarbeiten. Dabei ist Angela Merkel alles andere als begeistert von Hollandes Plänen, den beretis beschlossenen europäischen Fiskalpakt neu ausarbeiten zu wollen. Hollande meint, es müsse mehr zur Ankurbelung der Wirtschaft getan werden, Deutschland dürfe keine Insel des Reichtums umringt von Rezession bleiben.

Nicht nur bei Finanzexperten in Deutschland sind die Pläne Hollandes, eine Reichensteuer von 75 Prozent für alle einzuführen, die mehr als eine Million Euro verdienen, auf Unverständnis gestoßen. Bei den Niedrigverdienern dürfte François Hollande mit seinem vieldiskutierten Vorschlaf aber punkten. Und der Sozialist reagierte verägert auf die Vorwürfe Sarkozys, Hollandes Wirtschaftsprogramm zu spanischen Verhältnissen in Frankreich führen.

Tatsächlich steht der Kampf gegen die Krise im Zentrum des französischen Wahlkampfs. Doch so sehr Sarkozy und Hollande ihre Programme auch gegenseitig kritisieren, so hat doch der Kandidat links von François Hollande in den vergangenen Wochen viel Aufmerksamkeit erregt: der Kandidat der Linksfront Jean-Luc Melenchon. Beim Wahlkampfauftitt des ehemaligen Sozialisten am Strand von Marseille an diesem Samstag träumten einige im Wahlkampfteam sogar von einer – eher utopischen – Stichwahl zwischen Hollande und Melenchon. Melenchon – der regelmässig zusammen mit ATTAC-Anhängern vor Ratingagenturen demonstriert – verspricht eine “soziale Republik”, und er will in der ersten Runde vor allem der rechtsextremen Marine Le Pen den dritten Platz streitig machen. Tatsächlich stehen sowohl Melenchon als auch Le Pen in den Umfragen derzeit bei an die 15 Prozent. Die Wähler der Linksfront dürften in der Stichwahl mehrheitlich für François Hollande stimmen – wenn auch ohne Begeisterung.

Das ist das große Problem des Herausforderers, obwohl er jetzt schon seit Monaten als eine Art Präsident in Wartestellung auftritt, so ist es Hollande doch nicht gelungen, Enthusiasmus zu verbreiten. So schreibt die französische Journalistin Pascale Hugues, die in Berlin lebt, in der Süddeutschen Zeitung, sie wisse nicht, für wen sie stimmen soll, und es sei vielleicht nicht schlecht, sich für den Kandidaten mit dem größeren Sex Appeal zu entscheiden. Ob François Hollande dieses Sex Appeal wohl hat?

Die International Herald Tribune beschreibt François Hollande als “front-runner by default”, als Spitzenkandidaten in Ermangelung eines besseren. Tatsächlich war François Hollande noch nie Minister, er ist ein braver Parteisoldat – von 1997 bis 2008 Vorsitzender der französischen Sozialisten. Und Steven Erlanger amüsiert sich, auf der Titelseite der International Herald Tribune alle oft wenig schmeichelhaften Spitznamen Hollandes aufzuzählen – vom Wackelpudding bis zum Schlappschwanz.

Dabei ist es Hollande gelungen, sogar seine Ex-Frau, Mutter der vier gemeinsamen Kinder und Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten von 2007 Segolène Royal an seine Seite auf die Bühne zu holen. Hollandes neue Lebensgefährtin, die 47jährige Valérie Trierweiler, wird in Frankreich oft für den neuen Stil und für den Erfolg von François Hollande verantwortlich gemacht. In der Kampagne der sozialistischen Partei will die Journalistin keine offizielle Rolle spielen, doch sie ist bei fast allen Wahlkampfauftritten dabei. Sie steht dem Kandidaten mit Rat und Tat zur Seite, und François Hollande sagt von Valérie Trierweiler, das wichtigste sei, dass sie ihn glücklich mache.

Ähnliches lässt auch Staatspräsident Nicolas Sarkozy über seine Ehefrau verlauten. Und Carla Bruni-Sarkozy greift persönlich in den Wahlkampf ein. Anfang April hat sie in der Wohnung einer Freundin im schicken 16. Arrondissement von Paris ihre Freundinnen versammelt, um für ihren Mann zu werben. Die Tageszeitung Le Monde beschreibt das Treffen als einer Art Tupperware-Party. Dass der Präsident selbst dann doch nicht vorbeigekommen sei, habe einige der Frauen sehr enttäuscht.