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Sarkozy: "Helft mir!"

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Sarkozy: "Helft mir!"

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Eine Woche vor den Wahlen haben die beiden aussichtsreichsten Präsidentschaftskandidaten in Frankreich sich in der Hauptstadt ein Duell auf Distanz geliefert. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hielt seine Rede Place de la Concorde im Zentrum von Paris – seine Partei UMP verkündete, Sarkozy habe 120.000 Anhänger versammelt. Viele Beobachter bezweifeln diese Zahl – so viele Leute passten gar nicht auf diesen Platz, hieß es – und halten etwa 50.000 Menschen, die gekommen waren, um Nicolas Sarkozy zu hören, für wahrscheinlicher. Frankreichs Konservative halten massenhafte Versammlungen aber für eine Spezialität der Linken und waren froh über die bunte Kulisse. Die französische Polizei will sich in den Wahlkampf nicht einmischen und wird deshalb keine Ordnung in das Zahlenduell bringen. Da der Präsident anders als ursprünglich geplant seine Rede etwa 20 Minuten vor seinem Herausforderer begann, übertrugen die meisten Nachrichtensender zunächst Nicolas Sarkozy, der 35 Minuten lang redete. Und danach konnten die TV-Zuschauer leicht zeitversetzt die Rede von François Hollande verfolgen, der über 50 Minuten lang vor dem Schloss von Vincennes sprach. Beide Kandidaten versuchten vor allem, ihre Anhänger und die Nicht-Wähler zu mobilisieren.

Nicolas Sarkozys einziger neuer Vorschlag an diesem Sonntag war eine Debatte in Europa über die Rolle der Europäischen Zentralbank (EZB). Wenn die EZB den Aufschwung nicht genügend unterstütze, werde es in Europa kein Wachstum geben, erklärte Sarkozy. Dabei geht er indirekt auf François Hollande ein, der meint, Europa tue nicht genug für das Wachstum. Ein politischer Beobachter meinte, die Reden an diesem Sonntag seien eine Art “Best off” der Kampagne der beiden großen Kandidaten gewesen. Das konservative und das sozialistische Lager liegen in den Umfagen für die erste Runde gleichauf bei 26-29 Prozent. Doch um den Endspurt des Wahlkampfs einzuläuten wollten weder die Sozialisten noch die Regierungspartei das Feld der riesigen Meetings nicht allein dem Linksfront-Kandidaten Jean-Luc Melenchon überlassen, der am Samstag 120.000 Anhänger am Strand von Marseille zusammengebracht hatte – nach ähnlichen Versammlungen Place de la Bastille in Paris und in Toulouse.

Da Sarkozy auch nach der Vorstellung seines Programms in den Umfragen nur wenig aufholen konnte und weiter hinter der Marke von 30 Prozent liegt, wollte seine Partei UMP mobilisieren, sich noch nicht geschlagen geben. Mehrere Sonderzüge und etwa 700 Busse hatten die Anhänger der Regierungspartei nach Paris gebracht. Mehr als 12 Kameras wurden aufgeboten, um das Event ähnlich wie ein Fußballspiel zu übertragen. Und auch die Pariser Müllabfuhr wurde vor eine große Herausforderung gestellt, denn es blieb kaum Zeit die Tonnen von Abfällen des Paris-Marathon zu entfernen, bevor die Parteiveranstaltungen begannen. Sowohl Place de la Concorde in der Nähe der Champs Elysée als auch der Platz vor dem Schloss von Vincennes im Osten von Paris lagen am Sonntagvormittag auf der Marathon-Route.

Nicolas Sakozy sprach von einer historischen Wahl in drei Wochen am 6. Mai – er schien die erste Runde am kommenden Sonntag zu übergehen. Sarkozy richtete sich an die “stille Mehrheit, die nicht protestiere, nicht randaliere und die es satt habe, dass man in ihrem Namen Ideen verbreite, die nicht die ihren seien”. Der amtierende Präsident sieht sich schon seinem sozialistischen Herausforderer gegenüber und forderte die Wähler auf, vernünftig zu sein. “Habt keine Angst! Sie werden nicht gewinnen!” rief Sarkozy seinen Fans zu, ohne die Sozialisten beim Namen zu nennen. “Hört meinen Ruf, Französinnen und Franzosen! Helft mir! Helft Frankreich!”

Auch wenn dies nach einem Schrei der Verzweiflung klingt, sagen Sarkozy-Kenner, der Präsident sei nie besser, als wenn er mit dem Rücken zur Wand stehe, wenn er sich in einer scheinbar aussichtslosen Situation behaupten müsse.

Der Sozialist François Hollande warnte seine Wähler und vor allem seine Mitarbeiter in Vincennes – einem Vorort von Paris – davor so zu tun, als hätten sie schon gewonnen. Offenbar ist unter den Sozialisten bereits ein heftiges Geschacher um die Postenverteilung nach dem Sieg ihres Kandidaten entbrannt – sehr zum Ärger von Hollande. Es sei wichtig, bereits die erste Runde der Präsidentschaftswahlen zu gewinnen, erklärte der Sozialist in Anspielung auf die guten Umfrageergebnisse des linksextremen Kandidaten Jean-Luc Melenchon, er warnte vor einem “Votum ohne Zukunft”. Auch Nicolas Sarkozy nannte François Hollande nicht beim Namen, er sprach nur von dem “amtierenden Kandidaten”, der alles, was er jetzt verspreche ja in den vergangenen fünf Jahren hätte umsetzen können. Hollande sagte, er werde nichts an seinem Programm ändern, Erziehung und Bildung blieben seine Priorität.

Wenn auch vor grauen Wolken schien das schlechte Wetter Hollande verschonen zu wollen. So wertete er einige Sonnenstrahlen spontan als Zeichen des Himmels – doch der starke Wind behinderte zeitweise die Übertragung, indem er zu stark in die Mikrofone blies. Nach der Rede des Sozialisten wurde – wie bei Sarkozy – die Nationalhymne gesungen, wobei einige Journalisten bemerkten, dass Hollande dabei nun sichtlich entspannter mitmache als noch zu Beginn der Kampagne.