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Expo 2012: Die Technologie der Zukunft

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Expo 2012: Die Technologie der Zukunft

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“Vox Maris”, Stimme des Meeres. So heißt die gemäß dem Guinness-Buch lauteste Orgel der Welt, deren Klang die Besucher der Weltausstellung Expo 2012 im südkoreanischen Yeosu empfängt. Fünf Kilometer weit das in Deutschland gebaute Instrument zu hören.

Wenige Wochen vor der offiziellen Eröffnung ist das Expogelände quasi fertig. Getreu dem Ausstellungsthema “Lebende Ozeane und Küsten”, haben die Veranstalter alles daran gesetzt, schädliche Einflüsse auf die Umwelt so gering wie möglich zu halten.

Ein altes Zementsilo im neuen Sky Tower ist in eine Meerwasserentsalzungsanlage umgewandelt worden. Sie kann bis zu 12 Tonnen Trinkwasser pro Tag liefern – genug, um rund 6000 Menschen damit zu versorgen.

Yang Honjju, Chef des Sky-Tower-Projekts:

“Diese Expo soll Lösungen für Probleme unserer Zeit vorstellen, indem fortschrittliche Technologien eingesetzt werden. Die Wasserversorgung ist ein ernstes Problem. Durch die Vorstellung von Systemen wie diesem hier wollen wir die Botschaft an die Welt senden: Wir können viele Lösungen unserer Probleme in den Ozeanen finden.”

Der südkoranische Pavillon ist der erste überhaupt, der fast vollständig auf Wasserstoffbasis betrieben wird. Der CO2-Ausstoß: gleich Null. Solche Hydrogen-Technologien wurden bisher fast nur in Kraftfahrzeugen eingesetzt. Eines Tages könnten sie aber die Art und Weise, wie wir Energie produzieren, radikal verändern.

Mo Goang-Jong, Chef-Ingenieur des Korea-Pavillons:

“Sobald wir Wasserstoff direkt aus dem Wasser gewinnen können, wird jede Familie dadurch erzeugte Elektrizität für ihre Autos oder andere Dinge nutzen können. In 15, 20 Jahren wird eine Anlage wie diese wirtschaftlich realisierbar sein.”

Im Turbinenraum ist filmen nicht erlaubt – Firmengeheimnis.

Beim Thema Energiesparen geht es immer auch um Verkehrsmittel. Auf dem Expo-Gelände fährt ein elektrisch betriebener Bus die Gäste von A nach B. Dabei lädt das Gefährt seine Batterien auf eine ganz besondere Art und Weise auf. Schauen wir mal, wie das funktioniert.

In bestimmten Abständen sind Magnetspulen in die Fahrbahnen eingelassen, und auch an den Bussen finden sich solche Spulen. Jedes Mal, wenn der Bus also in einem Fahrbahnsegment mit der Stromquelle hält oder auch nur darüberfährt, werden die Batterien aufgeladen. Automatisch und kabellos.

Busbetreiber Park Jong-Han:

“Jetzt befindet sich der Bus im Ladesegment. Die Energie wird von dort an einen Abtaster übermittelt und von dort an die Batterien weitergeleitet. Dadurch erhöht sich deren Ladung.”

Das ganze geht schnell, und auch Ersatzbatterien sind nicht nötig.

Die Weltausstellung will die Stadt Yeosu in eine grünere Zukunft lenken, die mehr im Einklang mit der angrenzenden Meereswelt ist. Heute ist die Stadt noch stark von der Industrialisierung der vergangenen Jahrzehnte geprägt.

Zwei der größten petrochemischen Anlagen Südkoreas stehen hier. Sie beschäftigen mehr als 30 000 Menschen. 35 Prozent des landesweit verbauchten Öls werden hier erzeugt.

Noh Jin Gwan, Chefplaner der Expo 2012:

“Die Industrie ist tatsächlich sehr wichtig für die örtliche Wirtschaft, aber sie hatte ganz klar einen negativen Einfluss auf die Umwelt.”

Die Weltausstellung Expo 2012 dient den Organisatoren nun auch dazu, die Naturschönheiten der Region touristisch zu vermarkten.

Cho Yong-Hwan, Chef der Öffentlichkeitsarbeit:

“Was den Tourismus anbelangt, so glauben die Menschen in Südkorea, dass man das Beste um die Hauptstadt Seoul herum findet. Ich bin aber sicher, dass nach der Expo auch die Südküste mit Yeosu als zentraler Stadt, eine echte Alternative werden wird.”

Es wurde bereits viel getan, um die Qualität des Wassers an der Küste zu verbessern. So wurde etwa der Hafen ausgebaggert und gereinigt. Während die Organisatoren so möglichst sauberes Wasser haben wollen, sagen Umweltschützer, dass noch weit mehr möglich sei.

Umweltschützer Moon Kapate:

“Auf dieser Seite war das Wasser immer top. Auf der anderen war die Qualität dagegen sehr schlecht. Vor der Expo haben wir verlangt, den Hafendamm abzureißen, um einen freien Wasseraustausch zu ermöglichen. Das ist aus mehreren Gründen nicht geschehen, hauptsächlich wegen Haushaltsproblemen. Das ist schade.”

Die Umweltschützer bemängeln, dass nur rund vier Prozent der Energie für die Expo aus erneuerbaren Quellen stammen.

Die Einwohner Yeosus sehen in der Weltausstellung aber vor allem die Chance auf eine neue und sauberere Zukunft. Eine Entwicklung, die ihre Stadt zum besseren wenden wird.

Ein Mann auf der Straße sagte: “Was ich erwarte? Nun, es werden nach der Expo viele Touristen kommen. Unternehmer hier werden mehr Geld verdienen.”

Eine Passantin meinte: “Dass Yeosu die Expo ausrichtet, bedeutet sehr viel, es gibt viele Hafenstädte in Korea. Aber Yeosu ist die Stadt, die als Ausstellungsort ausgewählt wurde. Das wird sicher viele positive Entwicklungen mit sich bringen.”

Und ein anderer Mann ist der Meinung: “Die Umwelt hier wird von der Expo profitieren und die Einstellung der Bürger zu diesem Thema wird sich ändern.”