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IWF: Eurozone bleibt Sorgenkind der Weltwirtschaft

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IWF: Eurozone bleibt Sorgenkind der Weltwirtschaft

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Nach dem Krisenjahr 2011 wird sich die Weltwirtschaft 2012 nach und nach wieder erholen, es bleiben aber ernste Risiken. Zu diesem Ergebnis kommt der Internationale Währungsfonds in seiner Frühjahrsprognose. Darin korrigierte der IWF seine globalen Wachstumsaussichten nach unten.

Besonders schwer wieder in Tritt kommt die Eurozone. Hier schrumpft die Wirtschaft demnach 2012 um 0,3 Prozent, und auch im nächsten Jahr geht es nur leicht nach oben. Die USA dagegen schaffen es auf mehr als zwei Prozent, und selbst Japan schneidet deutlich besser ab als die Europäer.

Noch also will der Funke des Aufschwungs auf die Eurozone nicht überspringen, zu groß sind die Folgen der Schuldenkrise – nicht nur im Währungsraum, sondern auch darüber hinaus.

Trotz großzügiger Geldpolitik der Europäischen Zentralbank fließt noch zu wenig Liquidität in Form von wachstumsfördernden Krediten in die Realwirtschaft.

Gerade in den Schuldenstaaten, die zudem mit harten Sparmaßnahmen leben müssen, führt dies am Ende zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Das gilt besonders für Spanien, wo jeder Vierte ohne Beschäftigung ist, und für Griechenland – hier ist jeder Fünfte ohne Job.

Dies wird sich laut der Prognose des IWF auch im kommenden Jahr nicht wesentlich ändern. An der Schuldenkrise dürfte die Wirtschaft Europas noch lange zu leiden haben.

euronews: In Washington heißen wir nun Jörg Decressin willkommen, den Leiter der Europa-Abteilung im IWF. Schön, dass Sie bei uns sind. Wir haben gesehen, dass die Ruhe an die Märkte zurückgekehrt ist, nachdem viele europäische Regierungen ihre Haushalte gekürzt und Reformen eingeleitet haben. Ist denn das Schlimmste an der Eurokrise hinter uns oder kann die Lage in Spanien und Italien wieder zu einer Eskalierung führen?

Decressin: Die Risken bleiben weiter bestehen. In unserer Konjunkturprognose sehen wir durchaus ein Negativ-Szenario, das darstellt, wie ein Wiederaufflammen der Eurokrise die Eurozone und den Rest der Welt betreffen würde. Und es zeigt, das in so einem Fall viele Länder zu leiden hätten.

euronews: Es gibt also das Risiko eines Überschwappens der Krise auf den Rest Europas und die Welt. Was ist hier die Lesart? Zieht die Eurozone die Weltwirtschaft nach unten?

Decressin: Dieses Überschwappen der Eurokrise auf den Rest der Welt vollzieht sich über mehrere Kanäle. Zunächst einmal sind da die strengen Sparpläne in vielen Euro-Staaten. Diese sind notwendig, aber sie drücken kurzfristig auf das Wachstum und reduzieren die Importe aus dem Rest der Welt in die Eurozone, wodurch sie das Wachstum im Rest der Welt belasten. Zweitens bauen die Banken in Europa ihre Kapitalreserven neu auf und vergeben weniger Kredite. Außerdem verkaufen sie Beteiligungen im Rest der Welt, um ihr langfristiges Portfolio zu verbessern – wodurch sie aber auch das Kreditvolumen im Rest der Welt reduzieren. Und das drückt eben auf das Wachstum im Rest der Welt.

euronews: Geben Sie uns doch mal einen Zustandsbericht über Griechenland und Portugal. Funktionieren die gemeinsamen Programme von EU und IWF? Und wie wirkt sich das auf die Wirtschaft aus?

Decressin: Die Programme funktionieren. In Griechenland haben wir noch ein großes Stück Arbeit vor uns. In Portugal läuft es ganz gut. Den Erfolg der Programme können Sie an mehreren Punkten ablesen: Zunächst einmal gehen die Haushaltsdefizite dieser Länder deutlich zurück. Dann verringert sich ebenso deutlich die Inflation. Und schließlich sinken die Leistungsbilanzdefizite dieser Länder.

euronews: Wirtschaftswachstum muss von der Geldpolitik unterstützt werden. Soll also die EZB mehr Mittel ins Finanzsystem pumpen, um die Liquiditätsprobleme der Banken zu lösen – auch wenn die Deutschen das nicht wollen?

Decressin: Bisher war die großzügige Geldpolitik der EZB absolut entscheidend. Vor allem die langfristigen Refinanzierungsoperationen. Wir glauben, dass die EZB bereit sein muss, solche Operationen erneut durchzuführen – wenn notwendig. Auch sollte die EZB bereit sein, auf den Kapitalmärkten zu intervenieren, um die Renditen auf einem verträglichen Niveau zu halten. Dadurch gibt die Geldpolitik der Realwirtschaft wirkliche Impulse.