Eilmeldung

Eilmeldung

Rostropowitsch-Festival: Moskauer Nächte mit Prokofjew

Sie lesen gerade:

Rostropowitsch-Festival: Moskauer Nächte mit Prokofjew

Schriftgrösse Aa Aa

Ende März begann in Moskau erneut das einmonatige Rostropowitsch-Festival. 2010 wurde es zu Ehren des vor fünf Jahren verstorbenen russischen Cellisten Mstislaw Rostropowitsch ins Leben gerufen. Dabei standen diesmal einen ganzen Abend lang Werke des russischen Komponisten Sergej Prokofjew auf dem Spielplan. Gespielt vom London Philharmonic Orchestra unter der Leitung seines Chefdirigenten Wladimir Jurowski. Der ist, wie Prokofjew und andere große Künstler, ein wahrer Weltbürger.

Wladimir Jurowski: “Wir sind Musiker und Musiker sind wie fahrendes Volk. Ich bin in Russland geboren und aufgewachsen, aber ich habe jüdische Wurzeln. Meine Vorfahren kamen also woanders her, und sie mussten sich anpassen. Mit 18 Jahren verließ ich mein Land, und ich mußte mich dann zunächst an ein neues Leben in Deutschland anpassen. Später arbeitete ich viel in den Vereinigten Staaten, in Großbritannien, Italien und Frankreich. Wo immer ich hingehe um zu arbeiten, versuche ich, mich an die Menschen dort und die Länder anzupassen – aber natürlich immer, ohne mich selbst dabei aufzugeben. Ich spüre daher sehr deutlich, dass ich nach wie vor das bin, was ich immer war: Ein russischer Musiker mit einer sowjetischen Kindheit und Jugend. Und damit bin ich auch völlig zufrieden.”

Wie Jurowski und Rostropowitsch, so lebte auch Prokofjew lang Jahre fern seiner Heimat. Als er in den 1930erjahren zurück in die UdSSR kam, entwickelte er eine schwierige, bisweilen auch schmerzhafte Beziehung zum damaligen Sowjetregime. Zu manchen Zeiten hochgelobt und veehrt, ließ ihn die Führung des Staates schließlich wieder fallen. Zum Ende seines Leben war der Komponist ein Ausgegrenzter. Heute gehören seine Werke jedoch zu der am häufigsten gespielten Musik auf der ganzen Welt.

Wladimir Jurowski: “Prokofjew ist immer noch ein Mysterium für viele Menschen. In ihm vereint sich eine unglaublich starke Lebensenergie mit einem verborgenen Stachel. Dieser an sich so fröhliche Mensch hatte auch eine dämonische, eine sehr bedrohliche und irrationale Seite. Er war darin also auf eine bestimmte Art sehr russisch, obschon er immer vorgab, in allem was er tat, ein absoluter Westler zu sein.”

Wladimir Jurowski: “Prokofjew hat sozusagen das Wesen und den Zeitgeist des 20. Jahrhunderts in all seinen unterschiedlichen Facetten beschrieben. Er war ganz klar ein Kind seiner Zeit. Ich denke, die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts sollte mit den Partituren Prokowjefs in der Hand studiert werden.”

In dieser Folge von Musica hören Sie Ausschnitte aus Sergej Prokofjews Kantate “Iwan der Schreckliche”.