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Ukraine: Julia Timoschenko im Hungerstreik

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Ukraine: Julia Timoschenko im Hungerstreik

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Julia Timoschenko ist in Hungerstreik getreten. Gegen die ukrainische Oppositionspolitikerin hatte letzte Woche ein weiterer Prozess begonnen.

Sie verbüßt schon eine siebenjährige Haftstrafe, ist aber ernstlich krank. Ihr Umfeld setzt sich für eine Behandlung ein, möglichst in einem ausländischen Krankenhaus.

Letzte Woche brachte man sie aber gegen ihren Willen in ein Krankenhaus in Charkow, wo auch das Gefängnis liegt. Das war offenbar der Auslöser für den Hungerstreik. Sie lehnte es auch ab, dort behandelt werden; den Ärzten in ihrer Heimat traut sie nicht.

Ihr Anwalt Sergej Wlassenko verliest nun eine Erklärung Timoschenkos. Darin schreibt sie, drei Männer seien in ihre Zelle gekommen. Sie hätten eine Decke über sie gebreitet und sie mit brutaler Gewalt vom Bett gezogen. Ihre Arme und Beine seien verdreht worden, man habe sie angehoben und in der Decke hinausgezerrt. Sie habe gedacht, es gehe mit ihr zu Ende.

Deutsche Ärzte haben Timoschenko vor einiger Zeit im Gefängnis untersucht und einen Wirbelbruch festgestellt. Sie könne sich kaum bewegen und müsse liegen, sagte der Neurologe Karl Max Einhäupl von der Berliner Charité. Letzte Woche hatte er auch gesagt, Timoschenko sei für ihren neuen Prozess nicht verhandlungsfähig.

In dieser Verhandlung geht es um Vorwürfe von Veruntreuung und Steuerhinterziehung. Ihre Haftstrafe verbüßt sie wegen Vorwürfen aus ihrer Zeit als Regierungschefin: Erdgaslieferverträge mit Russland von damals sollen der Ukraine hohen Schaden gebracht haben.

Die 51-jährige Timoschenko bestreitet alle Vorwürfe. Auch westliche Länder halten die Prozesse
gegen sie hauptsächlich für politisch motiviert, also eine Art Abrechnung nach dem Machtwechsel in der Ukraine vor zwei Jahren.