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38 Jahre nach der Nelkenrevolution - Portugal in der Krise

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38 Jahre nach der Nelkenrevolution - Portugal in der Krise

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Das portugiesische Parlament hat eben erst den europäischen Stabilitätspakt ratifiziert. Damit hat sich Portugal nach Griecehnland als zweites EU-Mitgliedsland den strengen Regeln unterworfen, die automatische Sanktionen vorsehen, wenn bestimmte Höchstwerte bei der Verschuldung überschritten werden. Das wird für Portugal besonders schmerzhaft, weil nur mit veränderten Strukturen in der Haushaltsführung wirklich Schulden abgebaut werden können.
Portugal steht bereits unter Aufsicht. Die “Troika” der drei wichtigsten Geldgeber wacht darüber, was mit den vor einem Jahr als Hilfskredit überwiesenen 78 Milliarden Euro gemacht wird. Als positiv wird bewertet, dass Portugal von 2010 auf 2011 seit Haushaltsdefizit von 9,8% des BIP auf 4,2% drücken konnte. Dafür ist aber die öffentliche Verschuldung weiter gestiegen. Für dieses Jahr wird sie bei 115% des BIP erwartet. 60% sind im Vertrag über die Gemeinschaftwährung als Limit genannt.

Besonders dramatisch gestaltet sich der Abbau von Arbeitsplätzen. Menschen wie der 46jährige Bauarbeiter Henrique Leal suchen vergeblich nach einem Job. Die bestens qualifizierte Sekretärin Fernanda Zera findeet trotz ihrer guten Referenzen keine Anstellung mehr. Seit zwei Jahren lebt sie von 400 Euro Arbeitslosenhilfe im Monat.
Inzwischen schneidert sie für eine karitative Organisation gespendete Kleidung um und bekommt dafür Lebensmittel. Sie spricht vom Verschwinden der Mittelklasse, der sie sich bis zur Entlassung zugehörig fühlte. Jetzt wisse sie überhaupt nicht mehr, wo sie hingehöre.
Es gehe ja nur noch ums reine Überleben.
Und das wird für viele Arbeitslose in der Hauptstadt Lissabon einfach unbezahlbar. Seit den 60er Jahren waren junge Menschen aus den armen Dörfern in die Großstadt gezogen. Inzwischen bewegt sich die Migration im eigenen Land in die Gegenrichtung.
Junge Leute wie José Diogo kehren in die Dörfer ihrer Großeltern zurück. “In Lissabon war keine Arbeit mehr zu finden”, lautet seine lakonische Begründung. Darum habe er dies als die einzige Möglichkeit für sich erkannt. So kehrt er unfreiwillig zurück zum Bauernleben seiner Ahnen. Im Moment lebt noch die Hälfte der Bevölkerung Portugals auf nur 5% des Territoriums. Die Not könnte das ändern.