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Julia Timoschenkos Hungerstreik sorgt für Aufsehen


Ukraine

Julia Timoschenkos Hungerstreik sorgt für Aufsehen

Der Hungerstreik von Julia Timoschenko sorgt weithin für Aufsehen. Die ukrainische Oppositionspolitikerin verbüßt eine lange Haftstrafe,
ist aber ernstlich krank. Mit dem Hungerstreik protestiert sie gegen ihre Behandlung durch die Behörden.

Eine politische Gegnerin fällt allerdings ein scharfes Urteil: Timoschenko habe in der Ukraine keine Öffentlichkeit mehr, sagt Inna Bohoslawska, eine Abgeordnete der Regierungspartei. Sie habe irgendwie wieder in die Medien gelangen müssen. Ein zweiter Hintergrund, sagt Bohoslawska, sei die Parlamentarische Versammlung des Europarats: Dort
gehe es morgen um die Ukraine.

Deutschland hat jetzt sein Angebot erneuert, Timoschenko hier zu behandeln. Dieses Angebot sei dem ukrainischen Außenminister letzte Woche persönlich unterbreitet worden, teilte das Außenministerium in Berlin mit.

Timoschenko selbst traut den Ärzten in der Ukraine nicht. Letzten Freitag war sie offenbar gegen ihren Willen und mit Gewalt in ein Krankenhaus gebracht worden, wo sie aber die Behandlung ablehnte. Das war auch der Auslöser für ihren Hungerstreik.

Die Ukraine möchte dagegen, dass die beiden deutschen Ärzte wiederkommen, die sie vor einiger Zeit schon untersucht haben. In der Mitteilung des Außenministeriums heißt es, die Bundesregierung prüfe, “ob und unter welchen Voraussetzungen das ein … medizinisch sinnvoller Beitrag sein kann”.

Die Ärzte von der Berliner Charité hatten von einem Bandscheibenvorfall mit starken Schmerzen gesprochen. Sie betonten, dass Timoschenko keine Simulantin sei. Die Charité widersprach jetzt aber Berichten, wonach die Ärzte sogar einen Wirbelbruch
bei Timoschenko bestätigt hätten. Eine russische Zeitung hatte diese Aussage zitiert. Das Gutachten werde bald veröffentlicht, teilte die Charité weiter mit.

Timoschenko wurde letztes Jahr zu sieben Jahren Haft verurteilt. Dabei ging es um Erdgaslieferverträge, die sie als Regierungschefin mit Russland abgeschlossen hatte. Laut Urteil entstand der Ukraine ein hoher Schaden.

In ihrem neuen Prozess, der gerade erst begonnen hat, muss sie sich wegen möglicher Veruntreuung und Steuerhinterziehung verantworten. Timoschenko bestreitet alle Vorwürfe. Auch westliche Länder sehen das Vorgehen gegen Timoschenko eher als politisch motiviert – also eine Art Abrechnung mit ihr nach dem Machtwechsel vor zwei Jahren.

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