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Die wandernde Recyclinganlage

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Die wandernde Recyclinganlage

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“Wir haben eine Anlage entwickelt, die mobil ist,” erklärt Bernd Kopacek von der Gesellschaft für System- und Automatisierungstechnik SAT. “Das heißt, wir können von Recycler zu Recycler fahren und aus dem Elektronikschrott seltene und wertvolle Substanzen, hauptsachlich Metalle, herausholen. So zum Beispiel Gold oder Silber oder Kupfer oder Yttrium, Lithium, Indium und so weiter.”

Das mobile Recyclingsystem ist in einem Container untergebracht, der derzeit in einem Vorort von Belgrad steht. Ausgangsidee war, kleinen Recyclingunternehmen neue Wege zu eröffnen, um wieder verwertbare Werkstoffe aus Elektroschrott herauszufiltern.

Francesco Veglio an der Universität in L’Aquila erläutert: “Das hier zum Beispiel ist ein Pulver, das sich in Bildröhren befindet. Aber dieser Teil des Abfalls, der einen hohen Yttrium-Anteil hat von immerhin knapp 10 Prozent, wird in der Regel einfach auf die Müllhalde gebracht. Man könnte unser Verfahren mit der morgendlichen Kaffezubereitung vergleichen. Auswaschen nennen wir diesen Vorgang. Um wertvolle Bestandteile wie zum Beispiel das in diesem Pulver enthaltene Yttrium erneut nutzbar zu machen, fügen wir chemische Wirkstoffe hinzu.”

Jetzt sind die Bildröhren kein Abfall mehr, sie werden zerkleinert und neu abgemischt. Das Ergebnis erinnert an Schlamm, aber Yttrium ist ein wichtiger Werkstoff für die Herstellung von Leuchtdioden. Die Liste der Elektronikgeräte mit wieder verwertbaren Stoffen ist lang: PCs, Notebooks, DVD-Player, Netzwerkgeräte, Leuchtstoffröhren, Bildschirmgeräte, wie Computermonitore, Fernseher, Batterien, LCD-Displays…

Entwickelt wurde das Verfahren im Rahmen eines EU-Projekts, die in Belgrad ansässige Firma SET Reciklaza zählt zu den Partnerunternehmen. Ziel ist, Firmen in Osteuropa mit denselben Recylingmöglichkeiten auszustatten, wie ihre westlichen Konkurrenten. Die Mobilität macht’s möglich. “Man kann man sich vorstellen, dass wir einen Monat hier in Serbien sind”, sagt Bernd Kopacek. “Dann fahren wir zu einem anderen Recycler, der vielleicht ein wenig größer ist, dann sind wir zwei Monate in Rumänien und so weiter.”