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Die "Euro 2012" bringt der Ukraine Imagegewinn aber kein Geld

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Die "Euro 2012" bringt der Ukraine Imagegewinn aber kein Geld

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Die Nationalbank der Ukraine hat eine 500 Gramm schwere Münze aus purem Gold im Wert von fast 35.000 Euro herausgegeben. Und während die Organisatoren der “Euro 2012” noch überlegen, was sie während eines Fußballspiels verdienen und wie sie ihre Investitionen zurückholen, hat bei der Nationalbank das Geschäft bereits begonnen: Denn sie hat bereits über 100 Stück dieser wertvollen Münze verkauft, die der Fußball-Europameisterschaft 2012 in der Ukraine gewidmet ist.

Doch im Allgemeinen scheinen sich die hohen Erwartungen der ukrainischen Wirtschaft nicht zu erfüllen. Oksana Kuzykiv, geschäftsführende Direktorin beim Institut für Wirtschaftsforschung und Politikberatung, sagt: “Wenn Sie mich oder einen anderen Vertreter der ukrainischen Wirtschaft vor einem Jahr nach unseren Erwartungen gefragt hätten, wären wir weitaus optimistischer gewesen als jetzt.” Ihrer Meinung nach fehlen private Investoren bei der Vorbereitung der EM. Alle großen Projekte wurden vom Staat finanziert. “Das ist ein Fehler und es stellt sich die Frage – wer bezahlt die Europameisterschaft? Die Steuerzahler und ihre Kinder. Und wann und wie profitieren sie davon? Meiner Meinung nach wirkt sich das Turnier nicht auf die ukrainische Wirtschaft aus. Es wird auch keine negativen Auswirkungen geben.”

Weitaus optimistischer bei der Beurteilung sowohl der Vorbereitung als auch der wirtschaftlichen Auswirkungen der “Euro 2012” ist Andriy Stepanov, einer der Partner der ukrainischen Abteilung der internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft “Deloitte”: “Wir sollten nicht auf die kurzfristigen Gewinne schauen, die wir während des einmonatigen Turniers erwirtschaften. Denn 80 Prozent der Investitionen flossen in die Infrastruktur wie zum Beispiel in Hotels und Verkehr. Das waren Bereiche, die bei uns in den letzten 20 Jahren zu kurz kamen oder in die überhaupt nicht investiert wurde. Und die Europameisterschaft war ein großartiger Grund, sie zu entwickeln. Nur die Stadien waren echte “Fußballinvestitionen”, alles andere, was wir gebaut haben, können wir die nächsten Jahrzehnte tagtäglich nutzen.”

Beide Spezialisten sind sich einig darüber, dass die “Euro 2012” kurz- und langfristige Auswirkungen auf das Land haben wird. Auf lange Sicht werden die Auswirkungen positiv sein, denn Geschäftsleute und europäische Touristen werden die Ukraine für sich entdecken. Aber niemand wird sofort das große Geld mit dem Fußball-Event machen.

Dieser Meinung ist auch Volodymyr Goncharov, der Regionaldirektor des nationalen Sponsors der Fußball-EM: “Wir machen kein Verlustgeschäft mit unseren Souvenirs. Aber man kann auch nicht sagen, dass es ein unglaublich profitables Geschäft ist. Wir haben uns aber auch keine Vorgabe für eine bestimmte Gewinnmarge gesetzt.”

Für Vilen Matveev, ein Vertreter der offiziellen Fanmeilen in Kiew und Charkiw, ist die “Euro 2012” kein profitables, sondern ein imageträchtiges Projekt: “Für uns ist es zweifellos ein riskantes Geschäft und wir können unsere Risiken nur deshalb kompensieren, weil wir den Imagegewinn mitrechnen. Wir sehen keine kurzfristigen Supergewinne. Wir haben ungefähr drei Millionen Euro in beiden Städten investiert. Und wir erwarten nur einen sehr geringen Nettogewinn.”

Die zuversichtlichsten Prognosen sagen, dass die Ukraine während der “Euro 2012” rund 1 Milliarde Euro verdienen wird. Aber andererseits hat das Land bisher auch insgesamt ungefähr 4 Milliarden Euro investiert. Auch wenn der ukrainische Präsident Viktor Yanukovych von einem kleineren Betrag spricht: “Wir gehen davon aus, dass wir rund 3,5 Milliarden Euro investiert haben.”

Die Ukraine wird jedoch auf keinen Fall in den 30 Turniertagen genug Geld verdienen, um alle Ausgaben zu decken. Aber den langfristigen Gewinn kann man nicht in harter Währung messen. Denn der Imagegewinn des Landes ist wertvoller als Geld.