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Deutschland diskutiert EM-Boykott

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Deutschland diskutiert EM-Boykott

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Wegen des Umgangs mit der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko erwägt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Ministern offenbar zu empfehlen, keine Spiele der Fußball-EM in der Ukraine zu besuchen. Nur für Innenminister Hans-Peter Friedrich könnte eine Ausnahme gelten. Der Sportminister will am Rande des EM-Spiels Deutschland gegen die Niederlande in Charkow Timoschenko treffen. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel hatte am Wochenende einen politischen Boykott gefordertert. In der Öffentlichkeit ist ein EM-Boykott umstritten:

“Ja, ich finde einen Boykott richtig, weil die Öffentlichkeit erfahren muss, was in der Ukraine passiert, wie die mit Menschen umgehen”, findet Susanne Mengel.

“Das ist wichtig für die Ukraine, weil die sind wirtschaftlich ja nicht so gut aufgestellt wie wir. Der Fan soll da hin und viel Geld ausgeben und viel Spass haben”, entgegnet Ingrid Stegmann.

“Ich denke mal, vielleicht sollte man so was vielleicht im Vorfeld auch mal versuchen abzuklären, ob man an so ein Land eine Europameisterschaft vergeben sollte. Jetzt noch zu boykottieren, wäre sicherlich sinnvoll grundsätzlich. Die Frage ist, ob es viel nützt. Und es wäre schade, denn wir freuen uns natürlich alle drauf. Ich bin ein bisschen geteilter Meinung”, gibt Klaus Weisinger zu Bedenken.

Auch bei der Opposition in der Ukraine ist ein EM-Boykott umstritten. Box-Weltmeister Witali Klitschko lehnt ihn ab. Die EM, sei eine hervorragende Gelegenheit, die Aufmerksamkeit der Welt auf die Missstände in der Ukraine zu lenken. Timoschenko verbüßt eine Gefängnisstrafe wegen Amtsmißbrauchs. Sie klagt über starke Schmerzen. Mit einem Hungerstreik will sie ihre Behandlung durch unabhängige Ärzte erzwingen.

Merkel hatte in der vergangen Woche angeboten, Timoschenko in einem Berliner Krankenhaus behandeln zu lassen. Das Angebot war auf Empörung bei der ukrainischen Regierungspartei gestoßen. Merkel habe offenbar für einen Moment “vergessen”, dass sie die Bundesrepublik und nicht die Ukraine regiere, hieß es in Kiew.