Eilmeldung

Eilmeldung

Frankreich: Wahlkampf kommt noch einmal in Schwung

Sie lesen gerade:

Frankreich: Wahlkampf kommt noch einmal in Schwung

Schriftgrösse Aa Aa

Der Wahlkampf in Frankreich geht in die letzte Woche: Am Sonntag, nach der Stichwahl, wird feststehen, wer das Land künftig als Staatspräsident führt.

Amtsinhaber Nicolas Sarkozy würde auch nach den neuesten Umfragen verlieren; aber sein Rückstand schrumpft. Ungelegen kommt ihm jetzt ein Bericht in der Internetzeitung Mediapart: Danach belegt ein Dokument aus Libyen von 2006, dass die Regierung unter Muammar Gaddafi den ersten Wahlkampf Sarkozys mit fünfzig Millionen Euro unterstützen wollte. Ob es jemals dazu kam, ist aber unbekannt.

Sarkozy ist beträchtlich sauer und nennt es schändlich, dass Journalisten solchen Angaben Glauben schenkten – Angaben von Gaddafis Geheimdienst und von seinem Sohn Said, der schon früher diesen Vorwurf erhoben hatte.

Die Sache sei abgekartet, sagt er auch. Bei Mediapart seien gewohnheitsmäßige Lügner, und außerdem stehe man dort im Dienst der Linken. Sarkozy hebt hervor, dass er sich in so einem Fall auch nicht sehr dankbar gezeigt hätte: Schließlich hatte Gaddafi seinen Sturz letztes
Jahr maßgeblich Frankreich zu verdanken.

Auch von libyscher Seite wird der Vorwurf bestritten:
Mussa Kussa, unter Gaddafi Chef des Auslandsgeheimdienstes und heute im Exil in Katar,
nennt das Dokument – das seine Unterschrift trägt – eine Fälschung. Auf Einzelheiten ging er nicht ein.

Gewinnen würde in diesem zweiten Wahldurchgang in Frankreich nach derzeitigem Stand François Hollande, der sozialistische Herausforderer des konservativen Sarkozy.

Beide bemühen sich um die Anhänger der ausgeschiedenen Bewerber, vor allem die der fremdenfeindlichen Front National. Auch Hollande sagt, er wolle diejenigen zurückgewinnen, die aus Wut für die Front gestimmt hätten. Kompromisse werde es aber nicht geben.

Knapp die Hälfte der Front-National-Anhänger (45 Prozent) würde diesmal Sarkozy wählen, wesentlich
weniger Hollande – nämlich zwanzig Prozent. Hollande kann dafür aber in der Stichwahl auf viele Stimmen von links zählen, wie aus dem Lager des ausgeschiedenen Jean-Luc Mélenchon.

Lesen Sie auch Sarkozy: Finanzierte Gaddafi seinen Wahlkampf?