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Kiew: EM-Boykottforderer sind "Kalte Krieger"

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Kiew: EM-Boykottforderer sind "Kalte Krieger"

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Forderungen deutscher Politiker nach einem politischen Boykott der Fußball-EM in der Ukraine sind in Kiew scharf zurückgewiesen worden. Das Außenministerium sprach von “Methoden aus Zeiten des Kalten Krieges”. Die ukrainische Bevölkerung reagiert gelassen: “Es ist positiv, wenn sich Ausländer um die Vorkommnisse in unserem Land kümmern, wir selbst haben Angst zu handeln”, sagt eine junge Frau, ein junger Mann meint: “Die kommen doch sowieso”. Und ein Mann aus Donetsk sagt: “Europäische Politiker sind vernünftig. Sie sagen nicht einfach so etwas ins Blaue hineien. Unsere Politiker ändern dagegen ständig ihre Meinung”.

Wegen der Behandlung der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko haben mehrere deutsche Politiker vorgeschlagen, keine Spiele der Fußball-EM in der Ukraine zu besuchen, darunter auch der Wahlkämpfer Norbert Röttgen. Als erstes Regierungsmitglied schloss sich der Umweltminister Forderungen von SPD und Grünen an:“Nach jetzigem Stand halte ich es nicht für vertretbar, wenn Minister, Ministerpräsidenten als Zuschauer teilnehmen, weil ich befürchte, dass damit die Gefahr verbunden ist, dass dieses Regime, das diktatorische Regime, eine Aufwertung erfährt. Ich spreche mich nicht für einen sportlichen Boykott aus. Ich glaube, dass die Öffentlichkeit die mit der EM geschaffen wird, gut ist für die Opposition, weil es Öffentlichkeit schafft und Diktatoren scheuen die Öffentlichkeit wie der Teufel das Weihwasser, aber Politiker sollten nicht dazu herhalten dieses Regime aufzuwerten”, erklärte Röttgen in Köln.

Timoschenko verbüßt eine Gefängnisstrafe wegen Amtsmissbrauchs. Sie klagt über starke Schmerzen. Mit einem Hungerstreik will sie ihre Behandlung durch unabhängige Ärzte erzwingen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in der vergangen Woche angeboten, Timoschenko in einem Berliner Krankenhaus behandeln zu lassen. Das Angebot war auf Empörung bei der ukrainischen Regierungspartei gestoßen.