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"Russland steht vor Strukturreformen", Interview mit Politikanalyst und Molotow-Enkel Nikonow

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"Russland steht vor Strukturreformen", Interview mit Politikanalyst und Molotow-Enkel Nikonow

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Was erwartet Russland, was erwartet dessen Partner in den kommenden Putinjahren?
Euronews-Korrespondent Alexander Schaschkow sprach darüber mit dem Enkel von Stalins Außenminister Molotow, Wjatscheslaw Nikonow, der heute in Moskau die Stiftung “Politika” leitet.
Herr Nikonow, Putin ist wieder gewählt, diesmal sogar für sechs Jahre. Mit was für einer Politik müssen wir rechnen?

Wjatscheslaw Nikonow
Jetzt steht Russland vor ambitionierten Aufgaben. Es will unter die fünf mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt aufrücken und es will ein normaler demokratischer Staat werden.

Dafür braucht das Land eine enorme Modernisierung, Strukturreformen. Russlands einseitige Abhängigkeit muss beseitigt werden, wir brauchen Hochtechnologie. Ein sehr wichtiger Teil dieser Arbeit wird die Reform des politischen Systems sein. Dazu gehören erleichterte Registrierung von Parteien, die Rückkehr zur Direktwahl der Gouverneure und insgesamt mehr Pluralismus im gesamten politischen Prozess in Russland, vor allem bei der Gesetzgebung.

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Wie werden sich die Beziehungen zu den USA und zur EU entwickeln?

Wjatscheslaw Nikonow
Gegenüber den USA, so denke ich, wird Russland ein Interesse an der Fortsetzung der sogenannte Neustart-Politik haben, die sich leider auf den militärisch-politischen Bereich beschränkt.

Russland ist sehr stark an wirtschaftlichen Beziehungen zu den USA interessiert. Das aber hängt auch vom Ergebnis der dortigen Wahlen ab. Obama ist die eine Sache, mit ihm gelang der Neustart in der Militärpolitik. Mitt Romney dürfte Russland wieder als Bedrohung, als “Feind Nummer 1” ansehen. Er wäre ein komplizierterer Partner.
Die Europäische Union ist momentan mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Da interessiert Russland nur am Rande. Wobei ich denke, Europa sollte sich um engere Beziehungen zu Russland bemühen, denn Russland ist Europas am schnellsten wachsende Volkswirtschaft. Und die hat enorme Ambitionen, innerhalb der nächsten zehn Jahre Europas größte Wirtschaftsmacht zu werden.