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Griechenland stolpert in eine neue Ära

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Griechenland stolpert in eine neue Ära

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Er ist das Gesicht der siegreichen Linken, die von einer Welle des Zorns getragen wird. Ihre Wähler sind wütend über die Sparpolitik der vorigen Regierung, die sie als Befehlempfänger der EU ansehen. Nach dreißig Jahren an der Macht ist die traditionelle Linkspartei PASOK auf den dritten Platz abgestürzt. Alexis Tsipras gelang es, aus seinem Bündnis der radikalen Linken die zweite politische Kraft des Landes zu machen.

Bei dem gestrigen Treffen mit dem Parteichef der Konservativen schloss er eine Koalition kategorisch aus. Die Nea Dimokratia unter Antonis Samaras wurde stärkste Partei, allerdings mit kaum zwei Prozentpunkten Vorsprung. Aber eine Koalition mit der linken PASOK unter dem bisherigen Finanzminister lehnt Tsipras ebenfalls ab.

“Seine Billigung des Rettungplans bringt dem Volk nicht die Rettung sondern Unheil. Wir wissen durchaus, in welch schwieriger Lage sich das Land befindet, aber mit dieser Entscheidung des Volkes eröffnen sich neue Möglichkeiten für einen radikal anderen Kurs.”

Mit einer Wahlkampagne gegen die Sparpläne und gegen die Vereinbarungen mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfond, aber für eine Zukunft in der Währungsunion, hatte dieser junge Ingenieur versucht, die Wählerinnen und Wähler zu überzeugen.

Tsipras hat seine Anhänger vor allem unter jungen Menschen und in der städtischen Bevölkerung. Unterstützt wurde er von vielen Prominenten und Intellektuellen.

Was verbindet ihn also mit der zweiten großen Überraschung der Wahl, Nikolaos Michaloliakos, dem Führer der Rechtsextremen, die ebenfalls im Parlament sitzen werden?

Es ist das Europa der Nationen und die kategorische Ablehnung der ausgehandelten Umschuldung. Beides wird von vielen Griechen geteilt, denn die Sparmaßnahmen verlangen von ihnen massive Opfer. Schwer zu sagen, ob tatsächlich sieben Prozent der Bürger – entsprechend dem Wahlergebnis – die faschistischen Thesen der Partei teilen.

Gegründet wurde die Partei in den achtziger Jahre von demjenigen, den die griechischen Presse verächtlich den “Führer” nannte. Damals war die Partei aber nur eine winzige Neonazigruppe. Heute will sie die griechisch-türkische Grenze zumachen, um die illegale Einwanderung zu stoppen. Ganz getreu dem Motto: Griechenland den Griechen.

In einem Land, in dem Unsicherheit und Armut rapide steigen, haben die Rechtsextremen in den Vierteln der sozial Schwachen eine Wählerbasis erobert – so scheint es. Parteimitglieder haben eine Art Bürgerwehr organisert und schützen alte Menschen und Frauen vor Gewalt. Und sie helfen mit dem Notwendigsten aus.

Genau dazu waren die etablierten Parteien zuletzt nicht mehr in der Lage.