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Algerien: Wahlen in einem armen, reichen Land

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Algerien: Wahlen in einem armen, reichen Land

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Algerien wählt an diesem Donnerstag ein neues Parlament. Insgesamt treten 44 Parteien an, mehr als 25.000 Kandidaten bewerben sich um 642 Mandate. 500 internationale Wahlbeobachter schauen zu. Spannend ist vor allem, wie viele Wähler mitmachen – vor drei Jahren hatte sich nur knapp ein Drittel an der Präsidentenwahl beteiligt.

Der Grund für die Agonie? Sie drückt sich in weiß überklebten Wahlplakaten aus, soll heißen: Enthaltung.

Misstrauen und Frust reichen gut 20 Jahre zurück. Bei den ersten freien Parlamentswahlen hatte sich für die Islamische Heilsfront (FIS) eine absolute Mehrheit abgezeichnet, Militärs würgten die Wahlen ab.

Die Folge: Jahre eines äußerst blutigen Bürgerkrieges mit bis zu 150 000 Opfern. Ein Trauma. Keine Chance für einen Algerischen Frühling.

Das Land hat eine zweistellige Arbeitslosenquote, ächzt unter Billiglöhnen und Wohnungsnot.

Gacem Rabeh, Slumbewohner:

“Ihr wollt, dass ich wähle? Dann sagt mir bitte auch, wen. Zu viele Kandidaten kamen hier durch und haben alles Mögliche versprochen. Sie kassierten unsere Stimmen und wurden nie wieder gesehen.”

Ein armes Land? Im Gegenteil.
Die Staatsverschuldung geht gegen Null, dank der Öleinnahmen. Algerien hat gut 150 Milliarden Euro auf der Hohen Kante.

mit Reuters, dpa