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Algerien: Viele Wähler machen einen Bogen um die Urnen

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Algerien: Viele Wähler machen einen Bogen um die Urnen

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In Algerien kündigt sich bei der Parlamentswahl eine Abstimmung mit den Füßen an – selbst der nationale Rundfunk berichtete von einem eher schleppenden Beginn. Viele Wahlplakate sind weiß überklebt – “voter blanc” – “weiß wählen” bedeutet “ich will keinen auf der Liste” – Stimmenthaltung.

Insgesamt treten 44 Parteien an, mehr als 25.000 Kandidaten bewerben sich um 642 Mandate. 500 internationale Wahlbeobachter schauen zu.

Viele potentielle Wähler glauben nicht an Veränderung. Anklänge an den Arabischen Frühling verpufften.

Aida, Studentin:

“Ehrlich gesagt, ich erwarte von algerischen Politikern nichts, das interessiert mich nicht. Von selber ändert sich hier nichts.”

Karim aus Algier:

“Es gibt keine Jobs, warum sollte ich wählen. Alle jungen Leute sind im Knast. Sie wollen, dass ich wähle. Mache ich aber nicht.”

Misstrauen und Frust gehen in dem rohstoffreichen Land mit den vielen armen Leuten auf die 90er Jahre zurück. Militärs würgten die ersten freien Parlamentswahlen ab, als sich für die Islamische Heilsfront (FIS) eine absolute Mehrheit abzeichnete.

Die Folge: Jahre eines äußerst blutigen Bürgerkrieges mit bis zu 150 000 Opfern – ein Trauma, bis heute.

mit Reuters, dpa