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Obamas Poker mit der Homo-Ehe

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Obamas Poker mit der Homo-Ehe

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Das Thema Homo-Ehe ist in den USA einer der heißesten Kulturkämpfe. Erst recht sechs Monate vor den Präsidentschaftswahlen. Erstmals hat sich ein Amtsinhaber öffentlich für die Ehe unter Schwulen und Lesben ausgesprochen. 2010 hatte Barack Obama bereits den Militärdienst für Homosexuelle vollständig ermöglicht. Beim Thema Homo-Ehe tat er sich lange Zeit schwer.

Jetzt sagte er exklusiv auf ABC: “Für mich persönlich ist es wichtig zu erklären, dass Menschen gleichen Geschlechts heiraten dürfen sollen.”

Damit traf Obama durchaus die Stimmung der Bevölkerung. Inzwischen halten 50 Prozent die Homo-Ehe für wünschenswert – so viel wie noch nie zuvor. Doch die Dinge sind komplizierter. Zuständig sind die Bundesstaaten, und hier zeigt sich, was ein wahrer Kulturkämpfer ist. In acht Staaten – überwiegend im Nordosten – ist die Homo-Ehe erlaubt, in 38 Staaten ist sie illegal. Obamas Intervention war eigentlich überflüssig, denn er selbst kann nichts erreichen.

Politisch ist sie aber dennoch ein Signal, über das Amerikas Polit-Auguren nun rätseln. Nutzt IHM die Parteinahme oder nutzt sie Herausforderer Mitt Romney? Romney konnte als republikanischer Gouverneur von Massachusetts die Homo-Ehe nicht verhindern, er fuhr einen vorsichtig-kritischen Kurs.
Diesen wiederholt er jetzt: Er glaube nur an die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau.

Wie also ist Obamas Schachzug zu bewerten? Die erzkonservative Rechte frohlockt. Sie sieht Obama bereits besiegt. Peter Sprigg vom Family Research Council: “Es ist gut, daß der Präsident seine Heuchelei beendet hat. In der Vergangenheit war er noch gegen die Homo-Ehe, im Widerspruch zu seiner Politik. Es dürfte seine Chancen auf Wiederwahl schmälern.”

Andere sagen allerdings: Jetzt wird er erst recht gewählt. Die Homo-Gemeinde, vor allem in Kalifornien, ist groß, einflußreich und vor allem spendenfreudig. Für Obama eine wichtige Wählergruppe. “Ehrlich gesagt, fühle ich mich heute mehr als Amerikaner, weil Präsdient Obama bestätigt hat, daß er ein Präsident für alle Bürger ist”, sagt der Aktivist Stuart Gaffney.

Noch im Jahr 2007 war Obama vorsichtiger. Damals sagte er, er glaube nicht an das Etikett Ehe für eine Verbindung von Homosexuellen. Der heutige Präsident hat sich weiterentwickelt – wie auch die Mehrheit seiner Landsleute.