Eilmeldung

Eilmeldung

"Indignados" werden ein Jahr alt

Sie lesen gerade:

"Indignados" werden ein Jahr alt

Schriftgrösse Aa Aa

15. Mai 2011: Die bedeutendste Bürgerrechtsbewegung seit dem Fall des Frankismus macht sich in Spanien bemerkbar – die “Indignados”, zu Deutsch “Die Empörten”. In 58 spanischen Städten rufen vornehmlich Jugendliche über soziale Medien wie Facebook oder Twitter zu Protesten gegen die Maßnahmen der politischen Klasse gegen die Finanzkrise auf. Die Plattform “Echte Demokratie sofort” fordert zu Demonstrationen wenige Tage vor den Kommunal- und Regionalwahlen auf. Unterstützt von Organisationen, die sich gegen Reglementierungen im Internet einsetzen, überraschen die ‘Indignados” die Regierung in Madrid.

Tausende Menschen versammeln sich in der Hauptstadt auf dem Platz “Puerta del Sol”, der zum Symbol für die Bewegung des “15. Mai” geworden ist. Treffen gibt es auch in den anderen großen Städten Spaniens. An den Märschen beteiligen sich zehntausende Menschen. Die Bewegung ist gewaltlos, es gibt keine Hierarchie, keine Verbindungen zu politischen Parteien oder Gewerkschaften. Sie ruft zu zivilem Ungehorsam auf. Am 12. Juni 2011 verlassen die “Indignados” den Platz “Puerta del Sol”, brechen ihre Zelte ab, die Organisation macht aber mit mehreren hundert Treffen in Spanien weiter.

Die Bewegung der “Empörten” breitet sich auch im Ausland aus; in Frankreich, in den USA mit “Occupy Wall Street”, in Deutschland. Am 19. Juni ruft sie zu einem internationalen Aktionstag auf. Heute gibt es Unterstützerorganisationen in 70 Ländern auf der Welt. Ein Film erzählt die Geschichte der Bewegung, ein Buch hat sie auf den Weg gebracht.
Was verbirgt sich hinter den “Inignados” in Spanien? Zumeist sind es arbeitslose, diplomierte junge Leute, die sich engagieren. Die Hälfte von ihnen findet keinen Job. Nach der Wohnraumkrise und dem Platzen der Immobilienblase im Jahr 2008 haben sie allen Grund, sich für ihre Sache einzusetzen.

Viele Spanier können die Hypotheken auf ihre Häuser nicht mehr bezahlen. Ihr Güter werden beschlagnahmt, aber ihre Kredite müssen sie trotzdem weiterhin abzahlen. Die “Indignados” setzen sich für diese Menschen ein. Innerhalb eines Jahres konnten sie zahlreiche Räumungen verhindern, allein 70 in Madrid. Auch wenn der Bewegung der “Indignados” derzeit ein wenig die Luft ausgeht – auf ihren Kampf sind die jungen Leute weiterhin stolz.