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"Rache interessiert uns nicht. Aber wir vergessen nie"

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"Rache interessiert uns nicht. Aber wir vergessen nie"

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Fast vier Jahre lang wurde Bosniens Hauptstadt Sarajewo im Bosnienkrieg von serbischen Truppen belagert, 11 500 Menschen starben – nun verfolgen viele Bewohner gespannt das Verfahren gegen den ehemaligen bosnisch-serbischen General Ratko Mladić vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal.

Hadzic Hasna, Sarajevo:

“Ich hoffe auf Gerchtigkeit, so bald wie möglich. Ich setze auf die Justiz, damit sowas nicht wieder passiert, nirgends auf der Welt. Traurig, dass Europa, Amerika und all die anderen es hier soweit kommen ließen. Wir sind ein Teil von Europa.”

Alija Hodzic, dessen 17jährige Tochter während der Belagerung umkam:

“Niemand wurde zur Rechenschaft gezogen für all die toten Kinder von Sarajewo – von den anderen Opfern gar nicht zu reden. Alles war wir brauchen, ist die Wahrheit. Rache interessiert uns nicht. Wir können vergeben. Wir sind dazu bereit, aber wir vergessen nie.”

Anderer Schauplatz: Pale.
Während des Bosnienkrieges fungierte Pale eine Zeitlang als Hauptstadt der Republika Srpska. Hier leben seit dem Bosnienkrieg rund 90 Prozent Serben.

Mladen Mandic, Pale:

“Sie wollen uns glauben machen, dass im Krieg in Bosnien-Herzegowina nur Serben Verbrechen begangen haben. Sie haben einen Ehrenmann angeklagt und sie lassen nicht zu, dass er sich richtig verteidigt. Drei Seiten kämpften im Krieg. Und auf allen drei Seiten gab es Verbrechen.”

Serbiens Regierung unter Präsident Boris Tadic hatte zunehmend ernst gemacht mit der Verfolgung flüchtiger Kriegsverbrecher – auch unter dem Eindruck der gewünschten Annäherung an die EU.

2008 wurde überraschend der frühere bosnische Serbenführer Radovan Karadzic gefasst, Mladić nach jahrelanger Fahndung im Jahr 2011.

mit Reuters