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UN-Tribunal: War General Mladić wirklich "der Schlächter"?

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UN-Tribunal: War General Mladić wirklich "der Schlächter"?

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Vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat der Prozess gegen den ehemaligen bosnisch-serbischen General Ratko Mladić begonnen. Die Staatsanwälte legen dem 70-Jährigen Völkermord im bosnischen Bürgerkrieg in den 90er Jahren zur Last.

Die Anklage konzentriert sich auf besonders schwere Kriegsverbrechen, etwa die
jahrelange Belagerung von Sarajevo mit mehr als 11 500 Toten und die Ermordung von bis zu 8 000 muslimischen Jungen und Männern im ostbosnischen Srebrenica.

Mladić selbst, den sie in Bosnien “den Schlächter” nannten, weist jede Schuld von sich: Er habe für die gerechte nationale Sache seines Volkes gekämpft.

Kadefa Rizvanovic, “Mütter von Srebrenica”:

“Wir hoffen, die Justiz kriegt ihn endlich zu fassen und zieht ihn zur Verantwortung für die Massaker, die er in Bosien angerichtet hat.”

Unira Subasic, “Mütter von Srebrenica”:

“Wir können es gar nicht erwarten, den “Schlächter” wieder zu sehen. Wir wollen sehen, ob er seine Verbrechen zugibt. Oder ob noch Blut an ihm ist, das er vergossen hat im Jahr 1995.”

Mladić war vor etwa einem Jahr nach 16 Jahren Flucht in Serbien verhaftet worden. Er gilt als eine der drei zentralen Figuren auf serbischer Seite in den Kriegen in Bosnien und im benachbarten Kroatien.

Sein politischer Vorgesetzter, Radovan Karadžić, steht seit vier Jahren vor dem UN-Tribunal. Ohne Urteil endete 2006 der Prozess gegen den serbischen Präsidenten Slobodan Milošević. Er starb 2006 in der Tribunalszelle an einem Herzinfarkt.

Im Bosnienkrieg im zerfallenden Jugoslawien bekämpften sich die drei großen Volksgruppen. Den Kämpfen und sogenannten “ethnischen Säuberungen” fielen in den 90er Jahren 100 000 Menschen zum Opfer, mehr als zwei Millionen flohen oder wurden vertrieben.

mit dpa, AFP, Reuters