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Facebook: das Milliardenmedium

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Facebook: das Milliardenmedium

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Im März 2012 zählte die Internetplattform Facebook 901 Millionen aktive Mitglieder – das entspricht etwa der Hälfte der zu diesem Zeitpunkt weltweit aktiven Internetnutzer überhaupt. Jeder von ihnen geht täglich mindestens einmal bei Facebook online.

Grund dafür ist vor allem Neugier und das Bedürfnis mit Freunden und Bekannten in Verbindung zu bleiben. “Ich verbringe täglich etwa zwei Stunden auf Facebook. Ich spreche mit Freunden in Russland und mit meinen Eltern”, sagt der in New York lebende Alexej Tonkoshkurow.

“Ich arbeite damit, um mit Menschen in Verbindung zu bleiben”, sagt der Geschäftsmann Alan Stern. “Ich kommuniziere mit meinen Freunden in vielen Ländern. Es ist wie meine rechte Hand. Sehr nützlich.”

Mark Zuckerberg hatte damals die Idee. Er wollte die Menschen miteinander verbinden. Das Hauptinteresse: Neuigkeiten teilen. Im Jahr 2004 konzipiert der 19-jährige in Havard TheFacebook, eine zur privaten Nutzung gedachte Plattform der örtlichen Studenten im Netz. Schon damals ist der Erfolg überwältigend.

Im Jahr 2010 wählen ihn die Leser des Time-Magazins zum Mann des Jahres. Mit 28 ist er zehn Jahre nach der Gründung Chef des Unternehmens und Multimilliardär. Höchstselbst achtet er noch immer auf die Wahrung der Einzigartigkeit der Seite.

“Mark Zuckerberg ist ein sehr junger Firmenchef und das ist für uns ungewöhnlich. Er hat in keinem Punkt unseren Erwartungen von einem Geschäftsführer entsprochen”, erklärt Katherine Phillips, Professorin für Unternehmensführung und Ethik an der Colombia Business School.

Doch die Geschichte von Facebook kennt auch Niederlagen. Das Netzwerk stellt Firmen gegen Bezahlung Werbeflächen zur Verfügung. Letztlich klicken die Besucher der Seite aber nur auf eine von 2000 Anzeigen. Werbekunde General Motors hat nun entschieden, dafür kein Geld mehr auszugeben.

Der Analyst Matt Donovan erklärt warum: “Es ist ein sehr wirksames, aber eben auch junges Medium. Solche Plattformen gibt es ja erst seit ein paar Jahren und die großen Unternehmen versuchen noch immer zu verstehen, wie sie Menschen miteinander verbinden können. Wie können wir sie aneinander binden und gleichzeitig unsere Werbeziele verwirklichen?”

Fragen an die Zukunft. Bis dahin spricht der Erfolg von Facebook zumindest finanziell für sich, denn immerhin hat das Medium bisher einige seiner Mitarbeiter zu Milliardären gemacht.

Nach dem Börsengang hat für euronews Robert Hackwill mit Scot Goldberg vom US-Sender ABC gesprochen.

euronews: “Facebook ist gerade acht Jahre alt und verdient jährlich weniger als einen Euro mit jedem seiner fast eine Milliarde Nutzern. Ist dieser Börsengang nicht überbewertet?”

Scott Goldberg: “Das sagen viele Leute, tatsächlich waren die Experten sehr zurückhaltend. Sie haben auf Dinge wie General Motors hingewiesen, das seine Werbung auf Facebook in der vergangenen Woche zurückgezogen hat. Das Unternehmen meinte, die Werbung bringe nichts. Es sind diese Dinge, es gibt so viele Fragen über ein Unternehmen, das nun mit 100 Milliarden Dollar bewertet wird, das aber nur 3,7 Milliarden Dollar Gewinn macht. Wie wird Facebook neue Werbekunden finden, wie wird es mehr Geld verdienen, was wird mit dem Aktienkurs geschehen? Das ist heute alles schwer zu sagen. Sie können die Zahlen hinter mir sehen. Es war ein zurückhaltender Empfang hier an der NASDAQ. Es braucht Zeit, aber es gibt eine Menge Zweifel an der Bewertung.”

euronews: “Ist Zuckerberg reif genug, um sich an der Wall Street zu behaupten?”

Scott Goldberg: “Nun, das gehört zu seinem Charme, oder? Der Junge, der eine großartige Idee hatte. Er ist ein Kämpfer, er hat in der vergangenen Nacht ein Brainstorming für Hacker veranstaltet, um sie dazu zu bringen, neue Ideen zu entwickeln, wie die “like”-Funktion auf Facebook. Was wird das nächste große Ding sein, das die Nutzer anzieht? Das ist die Einstellung, um die herum Facebook aufgestellt ist. Es ist viel über seine Kapuzenjacke gesprochen worden, er könnte sich weitaus Wall-Street-gemäßere Kleidung leisten, jetzt, wo er geschätzte 20 Milliarden Dollar wert ist. Aber ich denke, es ist eben auch diese Wildheit, auf der Facebooks Erfolg beruht. Vielleicht ist es auch der Niedergang, wenn wir uns ansehen, dass alles an Zuckerberg und seiner Persönlichkeit hängt. Bislang war es eine Gewinn-Situation, seine Persönlichkeit, das Unternehmen. Wir werden sehen, was aus dem Kurs wird.”

euronews: “Stimmen Sie dem zu, dass Facebook, wenn es nun öffentlich wird, seinen gesamten Charakter verändern könnte? Wird dann der Kundenservice nicht unwichtiger als das Interesse der Investoren, was schließlich zum Ruin führen könnte?”

Scott Goldberg: “Das wird ein schmaler Grat, auf dem man sich bewegt. Ein weiteres Signal ist die Tatsache, dass Facebook-Insider vor diesem Börsengang Aktien freigegeben haben, damit andere Leute sie kaufen können. Das ist vielleicht ein Zeichen dafür, dass sie kein absolutes Vertrauen dahingehend haben, dass das Unternehmen sich weiterentwickelt. Aber die Regeln haben sich geändert, und jeder stellt sich diese Frage und wartet auf die Antwort.”

euronews: “Warren Buffet würde sagen, das ist die Sorte Aktien, die er nicht versteht und deshalb meiden würde. Denken Sie, jemand versteht Facebook-Aktien in diesem Rausch?”

Scott Goldberg: “Ich denke, die Leute verstehen, dass sie Facebook mögen und nutzen. Und wir haben auf der Straße mit Leuten gesprochen, ganz normalen Investoren, die gesagt haben, ‘das ist ein Produkt, das ich kenne und nutze, deshalb muss es irgendwie eine gute Investition sein. Wenn ich irgendwann Aktien kaufen würde, dann zu dieser Gelegenheit.’ Das ist aber nicht wie bei Google, das für Werbung einen Gewinn von 38 Milliarden Dollar einnimmt. Diesen Gewinn gibt es bei Facebook nicht. Wenn man sich die Zahlen ansieht, dann ist das schwer nachzuvollziehen. Wir sind da Zeuge von etwas, das die Emmissionangebote verändert.”

euronews: “Ist dieser Börsengang der Startschuss für eine neue Blase?”

Scott Goldberg: “Das könnte sein. Ich meine, es hat einen solchen Hype um ‘pets.com’ in den 90er-Jahren gegeben, wenn Sie sich daran erinnern. Es sollte eines der großen neuen dot.com-Unternehmen werden – und die Blase ist geplatzt. Vielleicht haben wir diesen Punkt bei Facebook erreicht. Wenn wir heute darüber reden, dann kann ich sagen, dass wir nicht die ersten sind, die darüber lauter als im Flüsterton sprechen.”