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NATO-Generalsekretär: Sicherheit hat keinen Preis

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NATO-Generalsekretär: Sicherheit hat keinen Preis

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Die NATO steht vor einer schwierigen Zeit: Dabei geht es nicht nur um Afghanistan, sondern überhaupt um ihre künftige Rolle – angesichts schrumpfender Verteidigungsausgaben und einer amerikanischen Politik, die sich zunehmend auf Asien konzentriert.

Darüber sprach Euronews mit NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.

Euronews: Glauben Sie, dass die afghanischen Sicherheitskräfte nach 2014 für die Sicherheit im Land sorgen können?

Fogh Rasmussen: Da bin ich sehr zuversichtlich. Vor ein paar Wochen habe ich afghanische Sondereinheiten im Einsatz erlebt. Ich war sehr beeindruckt und bin daher sicher, dass die afghanischen Sicherheitskräfte bis Ende 2014 die volle Verantwortung für die Sicherheit von uns übernehmen können.

Euronews: Die meisten Fachleute bezweifeln das. Laut amerikanischer Armee sind zum Beispiel nur achtzehn der fast dreihundert afghanischen Heeresbataillone bereit für Kampfeinsätze.

Fogh Rasmussen: Unter anderem deshalb unterstützen wir die afghanischen Sicherheitskräfte weiterhin. Auch nach 2014 werden wir ausbilden, unterstützen und beraten. Aber schon jetzt leiten die afghanischen Sicherheitskräfte rund vierzig Prozent unserer Sicherheitseinsätze. Zuletzt sind sie mit Sicherheitsproblemen professionell umgegangen. Daher glaube ich, dass sie die volle Verantwortung übernehmen können.

Euronews: Wer zahlt nach 2014 dafür? Wer zahlt für die afghanische Armee?

Fogh Rasmussen: Der Preis wäre noch höher, wenn wir die afghanischen Sicherheitskräfte nicht leistungsfähig machten. Sicherheit hat keinen Preis. Unsere Planungen gehen aber pro Jahr von rund vier Milliarden US-Dollar aus. Die Verbündeten in der NATO und die Partner in der ISAF müssten ihre gerechten Anteile zahlen. Das Gipfeltreffen ist keine
Geldgeberkonferenz, aber trotzdem gab es schon konkrete Ankündigungen. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass Geld für die afghanischen Sicherheitskräfte zusammenkommen wird.

Euronews: Wie zuversichtlich sind sie, dass alle NATO-Partner bis 2014 in Afghanistan bleiben?

Fogh Rasmussen: Ziemlich zuversichtlich.

Euronews: Aber Frankreichs neuer Präsident will seine Truppen sofort abziehen.

Fogh Rasmussen: Ja, aber das war ein Wahlversprechen. Natürlich muss er seine Versprechen auch halten; aber er hat ebenfalls die Bereitschaft verkündet, Afghanistan auf andere Weise weiter zu unterstützen.

Euronews: Was heißt das genau?

Fogh Rasmussen: Das besprechen wir mit ihm morgen. Es entspricht voll und ganz unserer Strategie, dass wir die Verantwortung schrittweise an die Afghanen übergeben und unsere Truppen sich zurücknehmen. Wir können einige Einheiten abziehen oder uns vom Kämpfen zunehmend auf die Unterstützung verlegen – das widerspricht nicht unserer Strategie, sondern gehört zu ihr.