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Al-Kaida schlägt wieder zu: Selbstmordanschlag im Jemen

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Al-Kaida schlägt wieder zu: Selbstmordanschlag im Jemen

Al-Kaida schlägt wieder zu: Selbstmordanschlag im Jemen
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Der Täter traf Jemen mitten ins Herz: Er war in seiner Militäruniform zur Generalprobe für die Parade zum jemenitischen Nationalfeiertag nach Sanaa gekommen – reihte sich in die Formation – führte die Kommandos aus – und zündete schließlich den Sprengstoff unter seiner Uniform. 90 Soldaten starben, 200 wurden verletzt. Das Attentat trägt die Handschrift der Al-Kaida-Organisation Ansar al-Scharia, die auf der arabischen Halbinsel aktiv ist.

Es ist der erste Anschlag seit dem Amtsantritt von Präsident Ahmed Rabbo Mansur Hadi im November 2011. Dem
vorausgegangen waren vier Monate lange, oft blutige Proteste der jemenitischen Bevölkerung. Die Menschen hatten vehement den Rücktritt des damaligen Präsidenten Ali Abdullah Salih gefordert.

Ansar al-Scharia nutzte die Unruhen für sich aus. Das jemenitische Militär versucht, dem etwas entgegenzusetzen, zuletzt erfolgreich in der Provinz Laudar im Süden des Landes, wo Ansar al-Scharia besonders aktiv ist.

Ex-Präsident Salih konzentrierte sich auf den Erhalt seiner Macht, was der Organisation Spielraum verlieh. Denn Ansar al-Scharia brachte mehrere Städte im Südjemen in ihre Gewalt, richtete “Scharia-Gerichte” ein und verhängte Strafen nach islamischen Recht, wie etwa des Köpfen von Verurteilten und das Abschlagen von Gliedmaßen. Anfang Mai wurde Al-Kaida-Führer Fahd al-Kuso bei einem amerikanischen Drohnenangriff getötet. Die jemenitische Al-Kaida drohte daraufhin mit einer Fortsetzung ihres “Krieges” gegen die “Kreuzritter”.

Der neue Präsident wird nun einen Richtungswechsel vornehmen, meint der Politikwissenschaftler Arif Aldowsh:
“Der Krieg gegen den Terror nützt beiden Seiten: Präsident Obama wird er im Wahlkampf helfen und Präsident Ahmed Rabbo Mansur Hadi bei der Weichenstellung für die Zukunft.”

Al-Kaida nutzt das Land mit seinen Bergen und Wüsten als Rückzugsgebiet. Islamisten aus dem Jemen und Saudi-Arabien gründeten 2008 die “Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel”, die zwischenzeitlich große Gebiete Jemens erobert hat. Und das obwohl sich der ehemalige Präsident als Kämpfer gegen Al-Kaida gab, so Arif Aldowsh: “Einige der Al-Kaida-Anführer hatten direkten Kontakt zum Saleh-Regime, das sie im Gegenzug unterstützte. Die Regierung verkaufte ihnen sogar Waffen, bevor Hadi an die Macht kam. Das ist wirklich kein Geheimnis.”

Im April dieses Jahres waren tausende Menschen gegen Staatschef Saleh auf die Straße gegangen. Mehr als 150 Menschen sind seit Beginn der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste durch Salehs Truppen getötet worden.