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Wer hat den Parmesan aus dem Regal gerollt?

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Wer hat den Parmesan aus dem Regal gerollt?

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Italiens Regierungschef Mario Monti hat bei einem Besuch im Erdbebengebiet im Norden des Landes schnelle staatliche Hilfe versprochen und den Bewohnern Steuererleichterungen in Aussicht gestellt. In Sant’Agostino traf er Betroffene – viele verzweifelt und wütend. Vier der insgesamt sieben Toten waren hier am Sonntag unter Trümmern ums Leben gekommen. Und etwa 5000 Menschen sind obdachlos oder hatten sich aus Angst vor Nachbeben die zweite Nacht nicht in ihre Häuser getraut.

Zwei der Geschädigten nehmen kein Blatt vor den Mund:

“Monti kam hierher , sah zwei Zelte, ging um das Lager herum, damit er sich seine schöne Schuhe nicht ruiniert und dann war er weg. Wohl zu einem netten Mittagessen in einem schönen Restaurant in Modena, so für 200, 300 Euro für jeden dieser 50 Clowns. Gleichzeitig sind wir hier und hören nichts, nicht einmal einen Gruß, einen Dank. So ist die italienische Regierung.”

“Glaubst Sie, für mich hat sich etwas verändert? Ich bin heute morgen zur Fabrik, habe nach meinem Job gefragt. Sie sagten, dass ich vielleicht 13 Wochen zu Hause bleiben muss. Wissen Sie, was das bedeutet? Miete zahlen und eine Familie durchbringen? Hat sich für ihn etwas verändert? Er geht nach Hause, in seinem Anzug. Und wir bleiben hier.”

Die Region Emilia-Romagna ist eine der produktivsten und wohlhabendsten in Italien – mit einem leistungsfähigen Mittelstand. Hier entstanden Sportwagen-Legenden wie
Ferrari, Lamborghini oder Maserati, Motorräder von Ducati oder Moto Morini. Und das sogenannte Feinkost-Tal ist der Ursprung von Balsamicoessig, Lambrusco und Parmaschinken. Rund 300 000 Laibe Parmesan und Grana Padano rollte das Beben aus den Regalen.

Etwa 200 Betriebe liegen in Trümmern. Allein der Produktionsausfall wird auf 500 Millionen Euro geschätzt. 2000 Menschen können zumindest zeitweise nicht an ihren Arbeitsplatz.

mit AFP, Reuters, dpa