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Studentenproteste in Kanada weiten sich aus

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Studentenproteste in Kanada weiten sich aus

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Es war eine besonders heiße Nacht in Montreal. Überall sangen sie: “Charest, du bist der Topf, wir sind die Löffel” – so demonstrieren die Studenten Quebecs seit Tagen gegen die Politik des Regierungschefs, der die Studiengebühren erhöht hat. Um die Spannungen nicht noch anzuheizen, gab es diesmal keine Verhaftungen durch die Polizei.

Die Bilanz von rund einhundert Tagen des Protestes:
Hunderte von Festnahmen, verhängte Geldstrafen, regelmäßige Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Sie nennen es mit Anspielung auf den “arabischen Frühling”, ihren “Maple Spring”, zu deutsch: den “Ahorn Frühling”, von dem noch niemand so recht weiß, wann er enden wird.

Es begann alles im November 2011, als die Regierung von Québec beschloss, die Studiengebühren an den Universitäten über 5 Jahre um 75 Prozent zu erhöhen. Die Studenten von Quebec werden dann mehr als 3.000 kanadische Dollar im Jahr Zahlen,- aktuell sind es noch 1800 Dollar. Das ist mehr als im nordamerikanischen Durchschnitt und erheblich mehr als in Europa. Im Februar traten die Studenten in den Streik – bis heute.

Am 18.Mai weiteten sich die Proteste aus. Grund:
Ein verabschiedetes Gesetz von Premier Charest zur “Wahrung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit”, das den Organisatoren von Demonstrationen vorschreibt, 8 Stunden vor Verantstaltungsbeginn Ort, Zeit und die Route der Demonstration anzumelden. Bei Verstößen wird mit hohen Geldstrafen gedroht. Die Studenten empfanden das Gesetz als unverhältnismäßig.

Die Hälfte der Bevölkerung stimmte zwar für die Erhöhung der Studiengebühren, missbilligt jedoch mehrheitlich die Notstandsgesetze. Diese junge Frau erklärt:“Es läuft normalerweise friedlich ab, doch zuviel ist zuviel. Es reicht jetzt.”

Die Beschlüsse werden als neoliberal empfunden, in einer Provinz, die traditionell eigentlich als linksliberaler gilt, als der Rest des Landes. Der Premierminister, seit neun Jahren im Amt, kämpft mit Korruptionsaffären seiner Regierung. Für eine der bekanntesten Moderatorinnen Kanadas steht fest: die Bürger Quebecs haben genug von der Krise und lehnen die fortschreitende Kommerzialisierung des Bildungssystems ab. Anne-marie Dussault, Radio Canada:“Ein typischer Charakterzug der Quebecois ist es doch, eine gerechte Gesellschaft zu wollen, in der es diese Riesenunterschiede zwischen arm und reich nicht gibt mit gleichem Zugang zu Bildungs- und Gesundheitswesen für Alle.”

Seit die Proteste eskalieren, kommt es nun auch vermehrt in anderen Regionen Kanadas zu Solidaritätsdemonstrationen.