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"Liebe" bringt Haneke die zweite Goldene Palme

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"Liebe" bringt Haneke die zweite Goldene Palme

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Das, was viele Filmemacher sich erträumen, hat der Österreicher Michael Haneke bereits zum zweiten Mal erreicht. Bei den 65. Filmfestspielen von Cannes erhielt er die Goldene Palme für “Amour (Liebe)” und gehört nunmehr zum exklusiven Kreis der zweifachen Preisträger. Schon 2009 wurde er mit dem Hauptpreis für “Das weiße Band” ausgezeichnet.
“Ich bin sehr froh, nicht allein hier zu stehen, sondern mit meinen Schauspielern, die meine Freunde sind und mir dabei helfen, dass ich mich nicht überwältigt fühle von der Menschenmenge in diesem Saal” sagte Haneke bei der Preisverleihung und bedankte sich bei der Jury.
Sein einfühlsamer Film zeigt, wie das Leben eines über 80-jährigen Paares nach dem Schlaganfall der Frau plötzlich ins Wanken gerät, nicht aber ihre Liebe. Die beiden Altstars Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva überzeugen in den Hauptrollen. Isabelle Huppert spielt die Tochter des Paares.

Die zweitwichtigste Auszeichnung, den großen Preis der Jury, erhielt der Italiener Matteo Garrone für seine Mediensatire “Reality”. Was war seine Inspirationsquelle? “Das italienische Kino, die klassischen italienischen Komödien. Daran habe ich mich orientiert. Am Anfang sollte es eine Komödie werden, doch dann wurde der Film immer düsterer.” Es geht um einen kleinen Fischhändler, der davon träumt, für eine Fernseh-Show ausgewählt zu werden. Nach “Gomorra” vor vier Jahren ist es bereits der zweite große Preis der Jury für Garrone.

Die beste Regie führte nach Ansicht der Jury der Mexikaner Carlos Reygadas in seinen Film “Post Tenebras Lux”. Er erzählt die verstörende Geschichte einer Großstadt-Familie, die aufs Land zieht und dabei in eine Spirale aus Gewalt gerät. Das Festivalpublikum reagierte gespalten auf den Film. Auf die Frage, was für die ihn die größte Herausforderung war, antwortete Reygadas: “Mir geht es nicht um Herausforderungen, sondern darum, meine persönlichen Ansichten, Gefühle, Eindrücke mit anderen zu teilen, ebenso, wie man sich mit einem Freund bei einem Bier unterhält, und er fragt, wie es einem so ergangen ist. Mehr will ich gar nicht.”

Als beste Darstellerinnen wurden Cosmina Stratan und Cristina Flutur ausgezeichnet für ihre Rollen in “Beyond the Hills” des Rumänen Cristian Mungiu. Der düstere Streifen über religiösen Fanatismus und unterdrückte Sexualität spielt in einem christlich orthodoxen Kloster. Mungiu erhielt außerdem den Preis für das beste Drehbuch.

Bester Darsteller wurde Mads Mikkelsen für seine Rolle in dem Psychothriller “The Hunt” des Dänen Thomas Vinterberg. “Ich bin nur ein guter Schauspieler, wenn ich in einem guten Film spiele”, sagte Mikkelsen. “Diesmal war es ein fantastischer Streifen, es fühlt sich gut, dem gerecht zu werden.” Er spielt einen Erzieher in einem Kindergarten, der zu Unrecht verdächtigt wird, ein kleines Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

Auch der Brite Ken Loach ging bei seiner 11. Teilnahme am Wettbewerb von Cannes nicht leer aus. Für seine Komödie “The Angel’s Share” gab es den Preis der Jury. Der Dank des Meisters galt seinen Schauspielern: “Um einen guten Film zu drehen braucht man ein gutes Team, wie beim Fußball. Ohne gute Spieler erreicht auch der beste Trainer nichts.”
Insgesamt waren 22 Filme im diesjährigen Wettbewerb. Die Jury stand unter dem Vorsitz des Italieners Nanni Moretti.