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Nach der Euphorie die "Post Eurovision Depression"

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Nach der Euphorie die "Post Eurovision Depression"

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Wie eine Schneekönigin freute sich Loreen über den Sieg beim Eurovision Song Contest und machte dem Titel ihres Songs “Euphoria” alle Ehre. Als Favoritin galt die 27-jährige Schwedin mit marokkanischen Wurzeln schon nach dem nationalen Vorentscheid. Den 57. Eurovision Song Contest in Baku gewann sie haushauch, Schwedens fünfter Titel in der Geschichte des Wettbewerbs.

euronews-Reporterin Galina Polonskaya fragte die Siegerin nach ihren Gefühlen am Tag danach. “Ich hoffe, dass das Euphorie ist, denn ich fühle mich großartig. Es ist ungefähr so, als würde man mir sagen: Wir verstehen, was du erschaffen hast und wir lieben es, auch wenn es anders ist. Gleichzeitig sagt man mir: Du bist anders, du bist ein Freak. Und da wird mir klar, mein Anderssein kommt gut an.”

Wärmste Gratulationen gab es von den Buranowski Babuschki. Die rüstigen Großmütter landeten auf Platz Zwei mit ihrem schwungvollen Gassenhauer “Party for Everybody!”. Darüber freuten sich die russischen Omas riesig, und vielleicht auch darüber, dass der ganze Rummel nun ein Ende hat.
120 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten das Spektakel weltweit. Rund 20 Tausend waren bei der Endausscheidung in Baku live dabei, Länderdelegationen, Journalisten, Fans und ESC-Touristen aus aller Herren Länder. Viele hätten noch vor einem Jahr nicht sagen können, wo Aserbaidschan überhaupt liegt.
Die vermutlich älteste Zuschauerin des Song Wettbewerbs kam aus Bayern. Ella Kastner, 102 Jahre alt und Fan der russischen Babuschki wurde extra von ihrem Enkelsohn nach Baku gebracht. “Sie verfolgt den Eurovision Song Contest seit 50 Jahren, aber nur im Fernsehen”, so Jo Kastner. “Im vergangenen Jahr war sie das erste Mal live mit dabei, beim ESC in Düsseldorf. Das machte ihr so großen Spaß, dass sie wieder auf die Party wollte. Ich sagte, ok, wir versuchen wir’s – und nun sind wir in Baku, schon seit einer Woche.”

Viele der Wettbewerbsfinalisten waren selbst früher eingefleischte ESC-Fans. Kurt Calleja aus Malta zum Beispiel träumte schon in Teenagertagen vom großem Finale. “Als junger Sänger wusste ich, dass ich eines Tages am Wettbewerb teilnehmen würde. Dass ich nun hier bin, ist die Krönung. Und heute Abend ist alles schon wieder vorbei. Die vergangenen Monate waren wie ein großer Traum.”

Ein paar Wochen lang rückte der Song Wettbewerb auch die aserbaidschanische Metropole ins internationale Rampenlicht. Dafür wurden Rekordsummen investiert in Infrastrukturen und Werbung. Wie fühlt man sich als Organisator nach dem ESC? “Überglücklich, weil man drei wunderbare Shows abgeliefert hat und tieftraurig, weil nun alles vorbei ist”, erklärt Event-Supervisor Sietse Bakker. “Post Eurovision Depression heißt das Syndrom. Es gibt sogar eine Gruppe auf Facebook, für Menschen, denen es schwer fällt, sich von all dem zu lösen.”
Mit der Euphorie ist es nun wieder vorbei. Baku verabschiedet sich vom strahlenden Glanz des Eurovision Song Wettbewerbs. Der nächste ESC-Austragungsort ist Stockholm.

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